Das ist nämlich das, wofür Abgeordnete da sind. Ganz einfacher Aufbau: Vor uns fließt die Elbe, dahinter liegt das Regierungsviertel, davor der Landtag. Davor ist das Kantinenessen schlecht, drüben ist es gut, das sagt doch alles. Abgeordnete schreiben Fragen auf einen Zettel, den wickeln sie um einen Stein und werfen ihn über den Fluss vor die Hintertür eines Ministers, in der Hoffnung, dass in ein paar Wochen eine Antwort kommt, die irgendwas Spektakuläres enthält, was den Fragesteller groß in die Nachrichten bringt.

Diese Kleinen Anfragen sind sozusagen das Kleinkaliber im Waffenarsenal des Abgeordneten. Für den geht es zwar heute auch darum, wie viele Shitstorms er in einer Legislatur einfängt, aber die klassische Leistungsbemessung für einen Abgeordneten läuft immer noch nach dem Ausstoß an Kleinen Anfragen. Gefragt werden kann im Prinzip alles.

Der Linke André Schollbach ist da ein ganz Großer. Der 37-jährige Anwalt fragte auch schon beim Innenminister nach, warum vor seinem Wohnhaus so viele Autos langfahren. Auf die Weise kommt viel zusammen. Dank Schollbach weiß das Land, dass Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf für seine neuesten Bücher 300 000 Euro aus der Staatskanzlei bekam. Mit der Einschätzung allerdings, dass man für dieses Geld zwei schicke Einfamilienhäuser bekommen könnte, lag Schollbach schwer daneben. Kommt aber immer auch darauf an, was man unter schick versteht.

Neuerdings hat sich Schollbach auf Orden versteift. Von der Staatskanzlei wollte er wissen, wie viele Orden, Ehrenzeichen und Abzeichen der Freistaat 2015 vergeben hat. Das Interesse ist verständlich, denn Orden sind was Feines. Es waren etliche Orden, darunter 14 Verdienstorden, sechs Feuerwehr-Ehrenzeichen in Gold, 1066 Fluthelferorden, aber kein einziges Abzeichen, ließ Staatskanzlei-Chef Fritz Jaeckel (CDU) wissen. Für den fleißigen Linken-Anwalt war leider nichts Passendes dabei.