Es war Sören Kosanke, der den Stein ins Rollen brachte. Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD im Potsdamer Landtag hatte Überlegungen öffentlich gemacht, bei denen es um eine deutliche Lockerung der Regelungen für Sonntagsverkäufe in den Brandenburger Kur- und Tourismusorten geht. Bisher dürfen dort nur Souvenirs und Blumen verkauft werden. Künftig, so die Überlegungen, sollen sonntags auch Bekleidung, Schuhe und Kosmetika an den Mann und die Frau gebracht werden können.

Begrüßt wird der SPD-Vorstoß von der Industrie- und Handelskammer Cottbus. "Wir finden das fantastisch, wenn mehr Unternehmen die Chance haben, ihre Waren auch am Sonntag anzubieten", sagt Thorsten Golm, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Schönefeld, die für die Händler im Spreewald zuständig ist.

Die Geschäftsfrau Ricarda Herold vom Verein "Wir für Lübben" würde die Lockerung auch begrüßen. "Wir haben schließlich auch eine Verantwortung für unsere Gäste, die sich am Wochenende versorgen wollen", sagt sie der RUNDSCHAU. Gleichzeitig gibt Herold aber auch zu bedenken: "In Lübben haben wir vor allem inhabergeführte Geschäfte. Wer kleine Kinder hat, wird sich zweimal überlegen, ober er auch sonntags im Laden steht."

Gegenwind kommt von Hinrich Müller, der evangelische Pfarrer der Cottbuser Kreuzkirche ist Leiter der Arbeitsgemeinschaft christliche Kirchen: "Im Interesse der Familienfreundlichkeit ist das für die Verkäufer und Verkäuferinnen, die im Laden stehen müssen, nicht. Das entspricht nicht unserem Menschenbild", kritisiert der Theologe.

In der Brandenburger Politik wird über den Vorschlag Kosankes ebenfalls kontrovers diskutiert. So unterstützte Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) gegenüber der RUNDSCHAU die Initiative, den Sonntagsverkauf in Kur- und Erholungsorten durch eine Ausweitung des erlaubten Verkaufssortiments zu stärken. "Deswegen könnte dieser Vorschlag für die Orte ein touristischer Gewinn sein." Allerdings könne eine Sonntagsöffnung nicht gegen die betroffenen Beschäftigten eingeführt werden. "Es muss in der Diskussion darauf geachtet werden, dass niemand in Bezug auf Arbeitszeit, Löhne und Gehälter benachteiligt wird."

Unterstützung erhielt Kosanke auch von CDU und FDP. Der CDU-Landtagsabgeordnete Dierk Homeyer warnte vor Wettbewerbsnachteilen des Brandenburger Einzelhandels gegenüber den länger geöffneten Geschäften in Berlin. Der FDP-Landtagsabgeordnete Raimund Tomczak bezeichnete die gegenwärtigen Öffnungsregelungen als "realitätsfern". "Die Gewerbetreibenden müssen die Möglichkeit haben, auch an Sonntagen Umsätze zu erzielen", so Tomczak. Gegenwind für Kosanke gibt es aus den eigenen Reihen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Ness sprach sich vor Journalisten gegen die Pläne der eigenen Wirtschaftspolitiker aus. "Wir brauchen keine Bäderregelung, denn wir sind hier nicht am Meer."

Auch der Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Volker Jastrzembski, äußerte sich kritisch. Als das Bundesverfassungsgericht 2009 im Streit um die Sonntagsöffnung in Berlin urteilte, habe es festgelegt, dass Ladenöffnung an Sonntagen Ausnahme bleiben müsse und nicht zur Regel werden dürfe.