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Heiratsantrag und Regenbogenflaggen in Berlin

Männer mit Regenbogenflaggen stehen am 30.06.2017 vor dem Brandenburger Tor in Berlin zusammen. Der Deutsche Bundestag hatte zuvor mit Ja zur Ehe für alle abgestimmt.
Männer mit Regenbogenflaggen stehen am 30.06.2017 vor dem Brandenburger Tor in Berlin zusammen. Der Deutsche Bundestag hatte zuvor mit Ja zur Ehe für alle abgestimmt. FOTO: dpa
dpa. Wenn ein öffentlicher Heiratsantrag und über 100 gehisste Regebogenflaggen zusammenkommen, dann handelt es sich um einen historischen Tag. Die Bundestagsentscheidung zur Ehe für alle wird in Berlin gefeiert. dpa

Der historische Bundestagsbeschluss zur Ehe für alle hat am Freitag für große Emotionen in Berlin gesorgt. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) machte ihrer Partnerin öffentlich einen Heiratsantrag vor dem Brandenburger Tor. Regenbogenflaggen wurden an über 100 Orten in Berlin gehisst. Und auch der Berliner Ulli Köppe, der mit einer Frage an die Kanzlerin einiges ins Rollen gebracht hatte, zeigte sich überwältigt.

Bislang durften Homosexuelle eine Lebenspartnerschaft amtlich eintragen lassen, aber nicht heiraten. Der wichtigste Unterschied war, dass Lebenspartner gemeinsam keine Kinder adoptieren durften. Am Freitag hatten die Abgeordneten des Bundestags mit einer großen Mehrheit für die Ehe für alle gestimmt. Insgesamt votierten 393 Parlamentarier mit Ja, darunter 75 Unions-Abgeordnete. 226 stimmten mit Nein, vier Abgeordnete (alle von der Union) enthielten sich.

Bei einer SPD-Veranstaltung vor dem Brandenburger Tor trat neben dem SPD-Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden Martin Schulz und Berlins ehemaligem Bürgermeister Klaus Wowereit auch Bundesumweltministerin Hendricks auf. Sie nutzte den historischen Tag für einen Antrag auf der Bühne. „Wir haben uns am 22. Oktober 2010 verpartnert“, sagte die Ministerin. „Dann könnten wir die ersten sieben Jahre rumbringen und dann am 22. Oktober heiraten.“ Vorher passe es wegen des Wahlkampfs nicht.

Für etwas Farbe an diesem grauen Regentag sorgte der Berliner Lesben- und Schwulenverband (LSVD). An mehr als 100 Orten wurden im ganzen Stadtgebiet Regenbogenflaggen gehisst. Tatsächlich sei die Aktion schon länger geplant gewesen und habe nichts mit dem Bundestagsbeschluss zu tun, sagte eine LSVD-Sprecherin. Dass die Aktionen nun auf diesen Tag fielen, nannte sie einen „Glücksfall“.

Die Aktion des LSVD Berlin leitet die Pride Weeks ein, die an diesem Wochenende beginnen und ihren Höhepunkt mit dem Christopher Street Day am 22. Juli haben. Am Vormittag zeigte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) lachend mit Aktivisten vor einer bunten Flagge am U-Bahnhof Nollendorfplatz. Auch vor verschiedenen Bezirks-Rathäusern, der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, der Geschäftsstelle von Hertha BSC und der Technischen Universität wurden Regenbogenflaggen gehisst.

Einer der unverhofften Wegbereiter des Bundestagsbeschlusses, Ulli Köppe, zeigte sich am Freitag überwältigt. „Dass mein Leben gerade explodiert, ist seltsam“, sagte der 28-jährige Berliner Eventmanager der Deutschen Presse-Agentur. Köppe hatte am Montag bei einer Talkrunde Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Publikum heraus gefragt, wie sie zur Ehe gleichgeschlechtlicher Partner stehe. Die Frage habe er spontan gestellt, sagte er. Merkel war daraufhin erstmals vom klaren Nein der Union abgerückt.

Praktische Konsequenzen gebe es für ihn zunächst nicht, sagte Köppe. „Mein Freund und ich sind so lange zusammen, da kann irgendwann auch eine Hochzeit kommen.“ Aktuell geplant sei der Schritt aber nicht. Doch fühle er sich durch den Bundestagsbeschluss in der Gesellschaft noch gleichgestellter.