Die Spielregeln der Begegnung in der Großen Halle des Volkes in Peking hat das Außenministerium festgelegt. Fast alle der gut zwei Dutzend ausgesuchten Korrespondenten "aus wichtigen Ländern", wie die Dame des Außenministeriums sagt, hatten vorher ihre Fragen einreichen müssen. Gelassen nimmt Hu Jintao in dem schwarzen Ledersessel hinter einem Blumengesteck am Ende des langen rotbraunen Holztisches Platz. Nach kurzen einführenden Worten ist Hu Jintao "für Fragen bereit". Außenamtssprecher Liu Jianchao ruft von seiner Liste diejenigen auf, die eine Frage stellen dürfen.

Butterweiche Fragen
Was die größten Errungenschaften in den siebenjährigen Vorbereitungen für Olympia gewesen seien, fragt als erste eine russische Kollegin. Ausführlich erklärt Hu Jintao die Bemühungen um "herausragende Olympische Spiele mit unverwechselbaren Merkmalen". Mit der Austragung in Peking solle die "wissenschaftliche Entwicklung der Hauptstadt und die gesellschaftliche Harmonie gefördert werden". So weich wie sich der dicke, rosarote Teppich in der "Großen Westhalle" mit ihrem goldenen Deckenstuck unter den Füßen anfühlt, fühlen sich auch die folgenden Fragen an.
Nie zuvor hat der 65-jährige Präsident bisher eine solche Pressebegegnung zugelassen. Der sonst medien-scheue und steif wirkende Technokrat Hu Jintao wirkt erstaunlich locker. Meist hört er regungslos den Fragen zu, macht sich teilweise Notizen und lacht dann aber am Ende scheinbar überrascht. Vor ihm liegen vorbereitete Antworten, da die Fragen lange bekannt sind. Manchmal wirft er einen Blick auf seine Zettel, dann redet er wieder scheinbar frei. Vieles, was Hu Jintao sagt, gehört ohnehin zum Standardrepertoire.
Dass der arabische Korrespondent wenigstens nach der "Politisierung der Spiele" oder einer "Bedrohung" durch Chinas Aufstieg fragen kann, passt ins Konzept. Vor Olympia möchte die kommunistische Führung der Welt versichern, dass von China keine Gefahr ausgeht. Und mit dem Schlagwort "Politisierung" weisen die Mächtigen in Peking seit Monaten jeden Versuch zurück, im Zusammenhang mit Olympia auf die Verfolgung von Andersdenkenden, die mangelnde Meinungsfreiheit oder die Tibeter aufmerksam zu machen.
Zwar wollen US-Präsident George W. Bush und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei ihrem Besuch in Peking zur Eröffnungsfeier in einer Woche mit ihm darüber reden, aber vielleicht gilt ja auch ihnen die Warnung, die Spiele "nicht zu politisieren". Auf jeden Fall werden die heiklen Themen bei dem Interview einfach dadurch umgangen, dass die Korrespondenten, die Tibet oder Menschenrechte ansprechen wollten, gar nicht erst zum Zuge kommen. Nach fast eineinhalb Stunden ist die Zeit um. Der Kollege einer französischen Medienorganisation bekommt die "letzte Frage" zugeteilt.

Tischtennis- und Schwimm-Fan
Aber statt wenigstens diese letzte Chance für eine kritische Frage zu nutzen, will er lieber brav wissen, welchen Sportler Hu Jintao am tollsten finde und was sein Lieblingssport sei. "Ich hätte nicht gedacht, dass die letzte Frage die schwierigste ist", lacht der Präsident. Bei den Sportlern bleibt er lieber diplomatisch neutral, gibt sich aber als Freund von Tischtennis und Schwimmen zu erkennen. "Aber ich muss Ihnen sagen, dass es so scheint, als wenn das Aufgebot des chinesischen Tischtennisteams schon feststeht", sagt Hu Jintao. "So wird mein Wunsch wohl unerfüllt bleiben." Weitere Informationen im Internet: www.lr-online.de/olympia-2008

Umfrage Interesse an Olympischen Spielen gesunken
 Die Tibet-Problematik , die Proteste beim Fackellauf und das Thema Doping haben sich negativ auf die öffentliche Wahrnehmung der Olympischen Spiele in Peking ausgewirkt. Zu diesem Ergebnis kommt eine gestern veröffentlichte Umfrage der Kölner Spezial-Agentur Sport+Markt. Demnach sank in Deutschland der Wert der Befragten, die "sehr interessiert" oder "interessiert" an Olympia sind, von 70 Prozent in Athen 2004 auf jetzt nur noch 58 Prozent. Damit lag Deutschland unter fünf europäischen Topmärkten an der Spitze. Schlusslicht war Großbritannien , mit London Gastgeber der Spiele 2012. Dort gaben lediglich 36 Prozent an, "sehr interessiert" oder "interessiert" zu sein.
Auch in China nahm der Wert von 77 Prozent im Jahr 2004 auf aktuell 75 ab. In den USA sank er von 71 auf 61. "Selbst in vielen asiatischen Märkten konnte keine erhöhte Begeisterung für diese Sommerspiele geschürt werden", hieß es.