Der in Palästina geborene Autor, der am heutigen Samstag 65 Jahre alt wird, verbindet intellektuelle Schärfe mit der Lust an Polemik und Ironie.

Dazu gehört wohl auch der Titel seiner 2010 erschienenen Autobiografie "Deutschland wird Dir gefallen", in der Seligmann aus einem Leben zwischen Anpassung und Selbstbehauptung berichtet. Mit dem Blick des Außenseiters äußert er auch den Wunsch nach Zugehörigkeit zum Land, in dem er lebt. Denn Deutschland war für Seligmann zunächst eine fremde Welt.

Als Kind reiste er mit seinen Eltern 1957 aus Palästina ein. In München wollten sich seine Eltern ein neues Leben aufbauen. Er erlebt die ersten Jahre in der Bundesrepublik als bleierne Zeit. Es ist ein Kulturschock, der manchmal bis heute noch nachwirkt, etwa wenn ihm die Deutschen zwischen "Judenbonus" und alltäglichem Antisemitismus begegnen. Seligmann fasst Fuß, studiert Politikwissenschaft und Geschichte in München und Tel Aviv, später wird er außenpolitischer Berater der CDU in Bonn. Doch Seligmanns Werk als Journalist und Schriftsteller spielt sich im Schatten der deutschen Geschichte ab. Romane wie "Rubinsteins Versteigerung", "Der Musterjude" und "Der Milchmann" sowie seine Essays und Berichte durchzieht die Erinnerung an den Holocaust.

Aus dem Gefühl der Ohnmacht zog Seligmann früh den Schluss, sich nicht demütigen zu lassen. "Ich begriff, dass dieses abwägende Einerseits-Andererseits typisch für das unterdrückte Auslandsjudentum war. Die Israelis scherten sich nicht um das Andererseits. Sie handelten bei Gefahr. Das imponierte mir", schreibt er in seiner Autobiografie und spricht von der "Falle" der Post-Nazi-Zeit: Die Rolle des "Musterjuden". Fast jeder jüdische Autor erliege der Versuchung, sich gelegentlich als Gewissen Deutschlands zu geben, legitimiert durch den "Phantomschmerz" der fast vollständigen Erlöschung jüdischen Lebens.