Reinhard Meyer, Chef der Schweriner Staatskanzlei, nannte gestern auch die Anliegen vieler Globalisierungskritiker „durchaus berechtigt“ und bot ihnen einen Dialog und „organisatorische Unterstützung bei der Vorbereitung friedlicher Aktivitäten“ an. In den Tagen vor und während des Gipfels werden bis zu 100 000 Gipfelgegner in Mecklenburg-Vorpommern erwartet. Auch sie werden zahlreiche Euro im Land lassen.
Einen kaum zu beziffernden Effekt erhoffen sich die Landesregierung, der Landestourismusverband und auch die Industrie- und Handelskammern, wenn das Land für drei Tage im Mittelpunkt der Weltpolitik steht und sein Image und seinen Bekanntheitsgrad steigern kann. Deshalb stünden Aufwand und Nutzen auch in einem guten Verhältnis, sagt der persönliche G8-Beauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach. 92 Millionen Euro werden allein für den Sicherheitsaufwand einkalkuliert. Allein 12,5 Millionen Euro kostet zum Beispiel ein 13 Kilometer langer Zaun, der im weiten Bogen um das kleine Ostseebad mit seinem Luxushotel errichtet werden soll.
34 Millionen Euro wird Mecklenburg-Vorpommern wohl für etwa 12 000 Polizisten aufwenden müssen, die aus anderen Bundesländern angefordert werden. Diese Kosten dem Bund aufzubürden, ist Schwerin trotz langwieriger Verhandlungen nicht gelungen. Möglicherweise werden die finanziellen Lasten des Landes aus anderen Fördergeldtöpfen kompensiert. Die Gesamtkosten für den Gipfel, etwa Unterbringung der Gäste, Verpflegung und Bau eines Pressezentrums im benachbarten Kühlungsborn, konnte Pfaffenbach nicht beziffern.
„Wachstum und Verantwortung in der Weltwirtschaft“ lautet das Motto des Gipfels. Ein Schwerpunkt der Diskussionen und möglichen Beschlüsse sollen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Entwicklungsländer und besonders Afrikas sein. Deshalb werden einerseits die so genannten Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika zum Gipfel eingeladen. Außerdem sollen mehrere afrikanische Staaten zur Diskussion nach Heiligendamm kommen. Außerdem plant die Bundesregierung einen „Jugendgipfel“ , auf dem junge Leute aus den G8-Staaten mit den Regierungschefs reden können, sowie mehrere Treffen mit gifpelkritischen Nichtregierungsorganisationen (NGO). Eine Konferenz mit mehreren tausend Teilnehmern soll im April in Bonn stattfinden.
Manche Gipfel-Gegner werden sich davon kaum überzeugen lassen. Proteste planen zahlreiche kleinere Organisationen bis in die autonome Szene hinein. Aber auch der DGB und die Linkspartei haben zur Teilnahme an den Demonstrationen aufgerufen. Selbst die NPD, die seit November im Schweriner Landtag vertreten ist, forderte bereits, den Gipfel abzusagen. Der Rocksänger Herbert Grönemeyer will voraussichtlich in Rostock ein Anti-G8-Konzert geben.