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| 02:39 Uhr

Heftige Gewaltexzesse auf den Straßen in Hamburg

Hamburg. Der politische Auftakt des G20-Gipfels ist von einer Explosion der Gewalt auf vielen Straßen Hamburgs überschattet worden. Bei den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel wurden nach Angaben der Polizei vom Freitagmittag 159 Beamte verletzt. Werner Herpell

45 Menschen seien fest- und zwölf in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Sprecher. Wegen der gewalttätigen Proteste rückte die Hamburger Feuerwehr seit Donnerstagabend zu 156 Einsätzen aus. 61 Feuer wurden gelöscht. Angesichts der anhaltenden linksautonomen Krawalle forderte die Polizei der Hansestadt am Freitag Verstärkung aus anderen Bundesländern an - und erhielt sie. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Ausschreitungen scharf: "Brutale Gewalt hat auf unseren Straßen nichts verloren. Sie hat keine Rechtfertigung und kann nicht mit Verständnis rechnen", sagte er.

Die Krawalle beeinträchtigten den gesamten Ablauf des G20-Partnerprogramms. Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump, Melania Trump, saß stundenlang in ihrer Unterkunft an der Außenalster fest. Ein Termin im Deutschen Klimarechenzentrum, das mitten im Demo-Bereich liegt, musste kurzfristig umdisponiert und in ein Hotel verlegt werden.

Größere Demonstrationen gab es auch am Nachmittag und Abend, als die Chefs der G20-Länder zu einem Konzert in die Elbphilharmonie fuhren. Der Hamburger Polizeipräsident Ralf Meyer rechnete mit weiteren gewaltsamen Protesten von Gipfelgegnern. Er schätzte, dass rund 21 000 Polizisten in der Hansestadt das G20-Treffen in den Hamburger Messehallen schützen müssen.

Der Polizei gelang es am Freitag nur mit großen Kraftanstrengungen, die gewalttätigen Proteste von der Sicherheitszone rund um das Gipfelgelände fernzuhalten. Nach ersten Ausschreitungen bei der Kundgebung "Welcome to Hell" vom Donnerstagabend war es auch in der Nacht und am Morgen an vielen Stellen der Stadt zu Krawallen und Brandstiftungen gekommen. Trotz der Ausschreitungen sei die Sicherheit der Gipfelteilnehmer gewährleistet, betonte die Polizei. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte: "Wir sind von bürgerkriegsähnlichen Zuständen weit entfernt."

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hingegen meinte: "Hochaggressive, gewalttätige Straftäter bringen Sicherheitskräfte in Bedrängnis und fordern unsere offene Gesellschaft in einer Weise heraus, die für niemanden akzeptabel sein kann." Vor dem Gipfel hatte Scholz noch eine Sicherheitsgarantie für Gäste und Bevölkerung abgegeben.

Der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl kritisierte am Freitag die Entscheidung, das Spitzentreffen in die Hansestadt zu vergeben. "Man hätte den G20-Gipfel nie in einer Millionenstadt wie Hamburg veranstalten dürfen. Die Sicherheitslage ist dort viel zu schwer zu kontrollieren", sagte er. Nicht umsonst habe Bayern den G7-Gipfel im Sommer 2015 nach Schloss Elmau verlegt.