Ein nachdenklicher Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) während der Landtagsdebatte um die Leipziger Paulinerkirche.Wenn der Staat bei der Neugestaltung des Leipziger Augustusplatzes 130 Millionen Euro investiere, sollte bei dem vielen Geld, bei der Chance, die es an diesem historischen Platz gebe, anders diskutiert werden.
Amtsvorgänger Kurt Biedenkopf (CDU) hat unterdessen in einem Presseinterview die originalgetreue Rekonstruktion der Kirche abgelehnt. Sinnvoll sei eine Variante, die als Kirche und Aula genutzt werden könne, sagte Biedenkopf.
Die gestrige Landtagsdebatte um den Wiederaufbau der Paulinerkirche drohte zu eskalieren. Der PDS-Fraktionsvorsitzende Peter Porsch warf der Staatsregierung Wortbruch vor. Mit der Paulinerkirche wolle sich ein großmannssüchtiger Hochschulminister ein gotisches Denkmal setzen. Der Ministerpräsident solle aufhören, eine ganze Stadt und deren Universität zum Narren zu halten, sagte Porsch.
Der hochschulpolitische Sprecher der SPD und ehemalige Rektor der Leipziger Universität, Cornelius Weiss, einst selbst Mitglied im Chor der Paulinerkirche, zog Parallelen zu 1968, als die Kirche zerstört wurde. Wieder werde den Leipzigern vorgeschrieben, was ihnen zu gefallen habe, sagte Weiss, wieder drückten sich dahinter Ressentiments gegen die Hochschule aus, wieder werde mit allen Tricks gearbeitet. Als daraufhin der CDU-Fraktionsvorsitzende Fritz Hähle Cornelius Weiss aufforderte, sich wegen seiner Äußerungen zu schämen, nahm die Debatte weiter an Schärfe zu.
Da trat der Ausländerbeauftragte Heiner Sandig (CDU), von Beruf Pfarrer - er hatte einst an der Leipziger Universität Theologie studiert - ans Rednerpult und mahnte eine sachliche Debatte an. Justizminister Thomas de Maizière (CDU) räumte Fehler ein. Die Lösung der Frage, wie an die Paulinerkirche erinnert werden könne, sei den Architekten überlassen worden.
„Das war wahrscheinlich zu viel verlangt“ , sagte de Maizière. Er habe seinerzeit als Finanzminister dem historischen Gedächtnis bei der Ausschreibung des Architekturwettbewerbs nicht angemessen Rechnung getragen. Da sei in einer frühen Phase ein Problem nicht ausdiskutiert, sondern ein „verwaschener Auftrag“ formuliert worden.
Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) machte geltend, dass die Suche nach einer vernünftigen Lösung in vollem Gange sei. Alle Beteiligten seien sich einig, dass der gegenwärtige Architekturvorschlag weiter qualifiziert werden müsse.
In den nächsten Tagen wollen die Stadt Leipzig und die Universität in ihren Gremien die Gespräche auswerten, die Mitte Februar mit Rößler geführt wurden. Danach soll das weitere Vorgehen abgestimmt werden.