Das Spremberger Geburtshaus ist schon ausgeräumt. Kinder kommen hier keine mehr auf die Welt, die drei in der Stadt tätigen Hebammen machen nur noch Hausbesuche, sagt Martina Leschin, die seit 1981 als Hebamme arbeitet. Erkrankungen ihrer Kolleginnen, vor allem aber die Situation der Hebammen insgesamt, haben dazu beigetragen, dass das seit zehn Jahren existierende Geburtshaus inzwischen Geschichte ist.

"In Brandenburg haben wir noch 360 aktive Hebammen", sagt die Vorsitzende des Hebammenverbands Brandenburg, Martina Schulze am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Potsdamer Landtags. In Sachsen sind es nach Angaben der Vorsitzenden des dortigen Berufsverbands, Grit Kretschmar-Zimmer aus Hoyerswerda, derzeit rund 800.

In beiden Bundesländern leiden die Geburtshelferinnen unter der hohen Prämie für die vorgeschriebene Haftpflichtversicherung: "Zum 1. Juli beträgt die Prämie 6472 Euro pro Jahr, 1981 waren es noch umgerechnet 30 Euro." Schuld daran sind die immer höheren Schmerzensgelder, die die Gerichte den Opfern von Geburtsfehlern zuerkennen, sagt Schulze. Die Geburten lohnten sich kaum noch.

Doch während dieses Problem seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit bekannt ist, macht die Brandenburgerin gestern noch auf eine weitere Notlage aufmerksam: Die Hebammen des Landes überaltern. "Ein Großteil der Kolleginnen wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen", sagt Schulze. Doch nur alle drei Jahre startet an Brandenburgs einziger Hebammenschule am Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum ein neuer Kurs. "Man sollte wirklich darüber nachdenken, das jedes Jahr zu machen."

"In Sachsen haben wir dasselbe Problem", sagt Grit Kretschmar-Zimmer der RUNDSCHAU. Dort würden die Schulen in Leipzig und Dresden sogar jährlich Kurse starten, während in Chemnitz ebenfalls im dreijährigen Rhythmus ausgebildet werde. "Aber es kommen weniger junge Hebammen nach, als wir bräuchten - was sicher auch an den Problemen mit der Haftpflichtversicherung liegt", sagt Kretschmar-Zimmer. "Wir sehen es als eine Aufgabe des Staates an, den Beruf so attraktiv zu gestalten, dass wir keine Nachwuchssorgen haben."

Die Brandenburger Landtagsabgeordneten zeigten am Mittwoch weitgehend Verständnis für die Situation der Hebammen. Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen) gestand sogar ein, "relativ frustriert" zu sein, weil sich auf der Bundesebene an der Situation der Hebammen nichts ändere.

Und auch Gesundheitsstaatssekretärin Almut Hartwig-Tiedt (Linke) verwies darauf, dass sich die Länderkammer, der Bundesrat, schon mehrfach im Sinne Brandenburgs positioniert habe, ohne dass sich auf der Bundesebene etwas ändere. Die Abgeordneten wollen deswegen die Probleme der Hebammen in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zur Sprache bringen - der freilich ebenfalls seit Jahr und Tag mit dem Thema befasst ist, doch das Problem der Haftpflichtversicherungen bislang nicht abschließend lösen konnte.