Großkoschen. In dem kleinen Hausflur des Eigenheims von Familie Kubick in Großkoschen (Oberspreewald-Lausitz) ist mit dem Rollstuhl von Jared kein Durchkommen mehr. Auch das Bad muss behindertengerecht umgebaut werden. Und ohne eine Rampe für den Hauseingang wird jede Fahrt zum Arzt und jeder kleine Spaziergang für Mutter Katja zum schweren Kraftakt. Sie versorgt den Sohn wochentags allein, denn der Mann im Hause verdient den Lebensunterhalt der kleinen Familie auswärts. "Die erforderlichen Umbauarbeiten sind so umfangreich, dass wir sie nicht allein stemmen konnten", erklärt Babett Brendel. Die Koordinatorin des Ambulanten Kinderhospizdienstes der Johanniter im Regionalverband Südbrandenburg schaut daher in froher Erwartung und sichtlich zufrieden auf das Haus, aus dem Baulärm nach außen dringt.

Die zwölf Handwerker von "Zuhause im Glück" müssen das Gebäude innerhalb einer Woche von Grund auf saniert und behindertengerecht umgebaut haben. "Mutter Katja und Sohn Jared lassen es sich derweil in einem Hotel in Hoyerswerda gut gehen", bestätigt Vanessa van Eek (38) von der senderunabhängigen Filmproduktion Ufa Entertainment. Die Hauptaufgabe der jungen Frau, die gelernte Erzieherin und vor einigen Jahren "zuerst am Schreibtisch" und nun auf den Baustellen gelandet ist, ist es, das Kamera-Team organisatorisch zu lenken. Am Donnerstag soll die Familie heimkehren. "Der schönste Augenblick für mich ist der, wenn die Familie ins eigene, völlig veränderte Haus kommt und staunt. Dann fällt von mir alle Anspannung ab. Und meist heule ich dann auch mit", erzählt die junge Frau.

Routiniert und gut gelaunt gehen die Bauleute ans Werk. Sanitär- und Heizungsmeister Peter Thummerer (43) gehört seit acht Jahren zur "Zuhause im Glück"-Mannschaft. Mit Fliesenlegemeister Tom Schellknecht (42), der zwei Jahre dabei ist, wirft er ausgediente Möbel auf den Sperrmüllhaufen. "Die eingespielte Truppe ist mit das Schönste an unserem Job", sagt Thummerer. Sieben Tage arbeiten die zwölf Stamm-Handwerker praktisch fast rund um die Uhr, um den Umbau bis Donnerstag abzuschließen. Dann gibt es ein langes freies Wochenende. Am Dienstag der Folgewoche brechen Bauleute und Kamera-Team zur nächsten Baustelle auf. Diese hat Vanessa van Eek schon in Augenschein genommen.

Der Bauschuttcontainer in Großkoschen wird indes weiter gefüllt. Aus dem Haus werden zudem alte Heizkörper getragen. Zaungäste wagen einen neugierigen Blick in den Hof. "Hier mitten im Ort bleiben wir natürlich nicht unentdeckt", bestätigt Vanessa van Eek fröhlich lachend. "Wir freuen uns über das Interesse und beantworten, so es die Zeit erlaubt, auch gern Fragen. Die Leute sind schließlich unsere Zuschauer", sagt sie. Die Baustelle bleibt jedoch absolut tabu.

Innenarchitektin Eva Brenner und Architekt John Kosmalla, die auch die Fernseh-Gesichter der emotionalen Baustellen-Dokumentationen sind, legen trotz des Stresses für die Tipp-Geber eine Pause ein. Christian Beeck, der Ex-Energie-Fußballer und ehemalige Sportdirektor der Lausitzer Kicker, ist der erste Botschafter des Kinderhospizdienstes der Johanniter. "Ich habe sofort zugesagt, als ich darum gebeten wurde, diesen ambulanten Dienst zu unterstützen", sagt er. Dem Mann, der 25 Jahre Fußball gespielt hat und sich jeden Erfolg auch hart erarbeiten musste, ist dabei sehr bewusst geworden, dass er auf der Sonnenseite des Lebens steht und gerade auch deshalb helfen will. Beeck wirbt unermüdlich um Unterstützer für die Arbeit des Kinderhospizdienstes. "Es ist auch wichtig, dass betroffene Familien die ausgestreckte helfende Hand der ehrenamtlichen Berater annehmen", sagt er. "Dieser Hausumbau für Jared ist eine tolle Sache, die auch anderen Familien in ähnlicher Situation Mut machen soll", erklärt Beeck weiter.

Babett Brendel, die seit zweieinhalb Jahren ambulant schwersterkrankte Kinder mit hohem Pflegeaufwand und deren Eltern in deren häuslicher Umgebung betreut, sagt: "Ich unterstütze das Leben in den Familien." Doch Beistand und psychosoziale Begleitung im Alltag allein ermöglichten leider nicht immer, den Betroffenen auch eine hohe Lebensqualität und damit Selbstbestimmung zu sichern. Deshalb sei "Zuhause im Glück" auch ein besonderes Glück für die Familie, erklärt die Mitinitiatorin sichtlich froh.