Wie weit haben Sie es bis zum Arzt? Und dauert es oft mal länger mit dem nächsten Termin? Das kann quer durch Deutschland auch damit zu tun haben, wo jemand wohnt. Denn wie engmaschig das Netz der Praxisärzte ist, unterscheidet sich je nach Region immer noch ziemlich. In der Studentenstadt Freiburg im Breisgau im Schwarzwald kümmern sich – rein rechnerisch – knapp 400 niedergelassene Mediziner um 100 000 Einwohner. Gut 300 Kilometer Luftlinie weiter nördlich, im bayerischen Landkreis Coburg, sind es dagegen nur 84,3. Dabei gibt es gerade in dünn besiedelten Gegenden akute Sorgen, ob Praxen vor Ort überhaupt erhalten bleiben. Denn viele Hausärzte sind schon älter.

Wie gut oder problematisch die Patientenversorgung in einer Region insgesamt ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Denn dazu tragen die Praxen der Kassenärzte natürlich nicht allein bei, sondern zum Beispiel auch Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen. Außerdem versorgen größere Städte zumindest beim Facharztangebot oft eine gewisse Umlandregion mit. So rangiert der Landkreis Landshut mit 87 Ärzten bezogen auf 100 000 Einwohner bei der Arztdichte bundesweit auf dem zweitletzten Platz. Die Stadt Landshut liegt dagegen mit einem Wert von 319 Ärzten sogar in der Spitzengruppe auf Platz acht, wie neue Zahlen des Bundesarztregisters mit Stand Ende 2018 zeigen.

Ein schlichter Unterschied nach Ost und West zeigt sich dabei nicht. Zwar ist Brandenburg bei der Arztdichte das Schlusslicht aller Länder. Ebenfalls weniger als 200 niedergelassene Mediziner pro 100 000 Einwohner haben aber auch die Kassenärzte-Regionen Westfalen-Lippe, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Konkret kommt es für die Patienten darauf an, wie groß die Fläche ist, auf die sich eine bestimmte Ärztezahl verteilt. Und dann ist es entscheidend, wie gut oder dünn die Anbindung auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist.

Um drohenden Mangel in bestimmten Regionen zu vermeiden, muss aus Sicht der Ärzte die Politik liefern. „Die einzig seriöse Antwort auf den Ärztemangel heißt: mehr Studienplätze“, sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) gibt es eigentlich genug Ärzte. Die seien aber gelegentlich falsch verteilt und hätten für Versicherte zumindest in manchen Fällen zu selten Sprechstunden. Die Kehrseite fehlender Praxen auf dem Land sind überlaufene Stadt-Praxen in bestimmten Vierteln. Teils werden Eltern abgewiesen, die neu einen festen Kinderarzt suchen.

Besonders im Blick steht das Netz der Hausärzte. Sie sind meist erste und häufigste Anlaufstellen für Patienten und sollten möglichst nicht so weit weg liegen. Auch hier geht die Abdeckung aber regional stark auseinander. Bundesweit spitze ist Kaufbeuren in Bayern mit 95,9 Hausärzten pro 100 000 Einwohner. Über der 90-Ärzte-Marke liegen auch Würzburg, Garmisch-Partenkirchen, Freiburg im Breisgau und Weimar. Von den zehn Kommunen mit der niedrigsten Hausarztdichte sind dagegen allein sechs in Nordrhein-Westfalen – darunter die Großstadt Duisburg (rund 500 000 Einwohner) mit 55 Hausärzten nach diesem Verhältnis.

Ausgerechnet bei Hausärzten zeichnen sich auch schon seit Längerem Schwierigkeiten bei der Nachfolge ab, wenn Praxisinhaber in den Ruhestand gehen. Und Hausärzte sind im Schnitt älter als Kollegen anderer Fachrichtungen. Das größte Problem damit droht laut Statistik in Rheinland-Pfalz, das die bundesweit ältesten Hausärzte (im Schnitt 56,4 Jahre) hat – fast jeder fünfte (18,9 Prozent) ist schon älter als 65. Dagegen hat Mecklenburg-Vorpommern die vergleichsweise jüngsten Hausärzte mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren, nur 9,3 Prozent sind über 65.

Gerade Hausärzte für das Land zu gewinnen, ist jedoch nicht leicht. Damit sich Praxen tragen, brauchen sie einen gewissen Patientenstamm. Und auch für Ärzte hängt die Entscheidung für eine Niederlassung an einem Ort an Kriterien wie Freizeitangebot, Jobs für Lebenspartner und Kinderbetreuung, wie das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung in einer Studie erläuterte.

Generell gibt es eine Steuerung von Praxissitzen über Bedarfspläne. Die Bundesregierung setzt künftig auch auf zusätzliche finanzielle Anreize für Landärzte.