Vor dem Haus ist kein Auto, sondern ein Boot geparkt. Zur Tür führt ein Steg, und auf der Dachterrasse ist es etwas wacklig: Nicht am, sondern im Wasser befinden sich diese Gebäude an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg. Feriengäste beziehen ihre Zimmer, während kleine Boote auf dem Geierswalder See vorbeischippern. Schwimmende Wohnhäuser gibt es auch andernorts, noch sind solche Bauten in Deutschland aber selten. In dicht besiedelten Regionen, wo Wohnungsmärkte angespannt sind, könnte das Wasser nach Expertenmeinung aber zunehmend zur Ausweich-Option werden.

In der Lausitz gibt es seit einigen Jahren in gefluteten ehemaligen Braunkohle-Gruben an mehreren Stellen solche Bauten. Sie werden vor allem touristisch als Ferienhäuser genutzt, einige sind aber auch in Privatbesitz. Mit der Idee vom Wohnen auf dem Wasser sollte gezeigt werden, was bei der Renaturierung von Braunkohlerevieren möglich sein kann. Schwimmende Häuser sind eine Art Weiterentwicklung des Hausboots und haben keinen Motor.

Im Geierswalder See stehen die fünf Häuser mit Obergeschoss und Dachterrasse auf Stahlpontons, die aus dem Wasser herausragen. Die Gebäude - viel Glas und nüchternes Design - sind an einer Steganlage an Pfählen befestigt, damit sie nicht wegtreiben. Unter Wasser verlaufen Leitungen, die die Häuser vom Festland aus mit Strom und Wasser versorgen und das Abwasser entsorgen. Die Nachfrage nach solchen Bauten ist offensichtlich da: Das brandenburgische Familienunternehmen Wilde Metallbau GmbH aus Massen (Elbe-Elster) hat als Entwickler und Bauer der Häuser nach eigenen Angaben mehrere Kaufinteressenten.

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) verzeichnet ein steigendes Interesse am Wohnen auf dem Wasser. "Es gibt eine hohe Nachfrage", sagt IVD-Bundesgeschäftsführerin Sun Jensch. Dahinter stecke der Wunsch nach individuellem und kreativem Wohnen. Vorreiterstädte seien Hamburg und Berlin. Wie viele schwimmende Häuser es in Deutschland gibt, sei aber nicht erfasst. Das liege auch daran, dass es fließende Übergänge zwischen schwimmenden Häusern und Häusern am beziehungsweise über Wasser gebe.

Der Stadt Hamburg liegen aktuell Anträge für neue schwimmende Wohnhäuser vor, wie die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen mitteilt.

"Masseneffekte wird es aber nicht geben", sagt Jensch. Das Preisniveau für den Bau eines schwimmenden Hauses liege derzeit ungefähr zwischen 350 000 und 500 000 Euro.

Und wer ein schwimmendes Haus bauen will, braucht einen langen Atem. Für jedes Haus sei eine Einzelgenehmigung notwendig, weil in den meisten Bauordnungen der Länder schwimmende Häuser gar nicht auftauchten, sagt Wissenschaftler Peter Strangfeld. "In den Behörden fragt man sich dann: Ist es ein Schiff oder ist es ein Haus?"

Bei hohem Wellengang kann es vorkommen, dass es ordentlich ruckelt in den rund 100 Quadratmeter großen Häusern auf dem Geierswalder See, wie Strangfeld sagt. "Dann wackeln die Teller auf dem Tisch."