Für Michael Schierack wird die Luft allmählich dünner: Am 5. November, direkt nach der Landtagssitzung, auf der Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erneut in sein Amt gewählt werden soll, trifft sich in Potsdam der Vorstand der Brandenburger Christdemokraten. Zu einer Sitzung, die um zwei Tage vorgezogen wurde. Dann soll der Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Schierack offiziell erklären, warum Woidke nun wieder mit der Linken und nicht mit der CDU regiert. Und er soll der Partei seine Perspektiven für die Weiterarbeit vorlegen.

"Wir werden am 5. November offen darüber diskutieren, wie wir uns in der Opposition aufstellen", sagt der Prignitzer Kreisvorsitzende und CDU-Bildungspolitiker Gordon Hoffmann. "Wir müssen zusehen, dass wir als Partei aus der Ecke herauskommen, in die uns Dietmar Woidke gestellt hat."

Denn nach der Landtagswahl sah es zunächst so aus, als könnten SPD und CDU gemeinsam regieren. Die Sondierungsgespräche schienen positiv zu laufen. Bis Woidke am 23. September, nur wenige Stunden nach dem letzten Gespräch mit der CDU und kurz vor der Sitzung des Parteivorstands der Brandenburger Union, die Katze aus dem Sack ließ: Im Garten der Parteizentrale an der Potsdamer Gregor-Mendel-Straße erhielt Schierack den Anruf, dass nun doch mit der Linkspartei weitergemacht werde.

Die offizielle Begründung der SPD: Weil Michael Schierack kein Ministeramt übernehmen wolle, zweifele man an der Zuverlässigkeit der CDU.

"Wir müssen daran arbeiten, dass Michael Schierack als Oppositionsführer aus der Defensive kommt", sagt der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Jan Redmann. Denn hinter den Kulissen der Brandenburger CDU wird intensiv über die Zukunft diskutiert. Schierack reist von Kreisverband zu Kreisverband, um sich zu erklären.

Die Stimmung an der Parteibasis ist von großer Enttäuschung bis Empörung geprägt. Die Helfer, die die Plakate an den Laternenmasten anbrachten und die Unternehmer, die für die CDU gespendet haben, verstehen nicht, warum ihre Partei nun schon wieder nicht an der Regierung beteiligt ist. Und vielleicht sogar auch noch selbst die Schuld daran trägt.

Hat also Michael Schierack noch eine Zukunft an der Spitze der Union? Er selbst hatte vor Kurzem in einem Redaktionsgespräch mit der LAUSITZER RUNDSCHAU erklärt, weiter für den Landesvorsitz zur Verfügung zu stehen.

Doch dem Vernehmen nach wurde schon kurz nach Woidkes Ankündigung einer Neuauflage von Rot-Rot die Berliner Staatssekretärin Katherina Reiche als mögliche Landesvorsitzende ins Gespräch gebracht - doch ihr fehlt es an Unterstützung in der Partei. Auch andere Kandidaten werden hinter den Kulissen genannt.

Doch eine öffentliche Debatte um den Landesvorsitz möchte kaum jemand in der CDU. "Was wir uns nicht leisten können, sind langwierige, öffentliche Personalquerelen", sagt der Templiner Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann. "Wir müssen die Glaubwürdigkeit der Brandenburger CDU zurückgewinnen - und sehen, dass wir 2019 noch vor der SPD als stärkste Kraft im Land die Wahl gewinnen."