Görke, der im Wahlkampf 2014 Spitzenkandidat der Linken war, hatte vor den Wahlen in seiner Funktion als Finanzminister eine "Sommertour" durchgeführt. Dabei besuchte er Vereine und Initiativen, wie den Landessportbund und traf mit einer Hausärztin zusammen, um über Gesundheitspolitik zu sprechen.

"Die Sommertour des Finanzministers widerspricht in zentralen Punkten den vom Bundesverfassungsgericht herausgearbeiteten Maßstäben in der Vorwahlzeit zulässiger regierungsamtlicher Öffentlichkeitsarbeit", heißt es nun in dem Gutachten. Das "Anberaumen von Terminen, die primär der Außendarstellung des Finanzministers dienen" sei in der "heißen Phase des Wahlkampfs" ohne aktuellen Anlass unzulässig. Görke habe mit seiner Sommertour das Recht auf Chancengleichheit der Parteien verletzt. Schon im Herbst 2014 hatten CDU, Grüne und FDP Görke deswegen scharf kritisiert.

Wie der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Jan Redmann, der RUNDSCHAU sagte, habe "Görke jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lassen, was den Unterschied zwischen regierungsamtlichem Handeln und seiner Rolle als Spitzenkandidat der Linken betrifft". Seine Verstöße gegen die Landeshaushaltsordnung stellten seine Glaubwürdigkeit als Finanzminister infrage.

Die CDU habe deswegen Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) aufgefordert, den Wahlprüfungsausschuss noch einmal einzuberufen. Da die im Wahlprüfungsgesetz vorgesehene Sechs-Wochen-Frist für Einsprüche gegen das Wahlergebnis bereits verstrichen ist, kann laut dem Brandenburger Wahlprüfungsgesetz nur noch die Parlamentspräsidentin eine Prüfung der Gültigkeit der Landtagswahl veranlassen.