Denn die jemenitischen Wurzeln waren nicht das Einzige, was den US-Bürger mit Al-Qaida-Anführer Osama Bin Laden verband. Beide Männer predigten den „Heiligen Krieg“ und Hass auf den Westen. Ähnlich wie Bin Laden, legte sich auch Al-Awlaki (40) die Aura eines „vergeistigten Helden“ zu. Durch seine Predigten wurde der Jemenit – ohne selbst zu kämpfen – zu einer führenden Figur für die Al-Qaida-Zellen. Den jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih bezeichnete Al-Awlaki in einer seiner letzten Video-Botschaften als „Verbrecher, der den Amerikanern das Feld überlässt“ Damit spielte er auf eine Veröffentlichung der Enthüllungsplattform Wikileaks an. Aus der Botschaftsdepesche geht hervor, dass Salih in einem Gespräch mit US-Kommandeur David Petraeus versprochen haben soll, so zu tun, als stecke sein Militär hinter den Angriffen auf mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen im Jemen und nicht die US-Armee. Salih wurde in dem Gesprächsprotokoll mit den Worten zitiert: „Wir werden weiterhin sagen, dass dies unsere Bomben sind und nicht eure.“ Dieser Satz lässt sich wahrscheinlich auch auf den Luftangriff anwenden, bei dem Al-Awlaki jetzt den Tod fand. Die meisten arabischen Beobachter gehen ohnehin davon aus, dass er und seine Begleiter von einer unbemannten US-Kampfdrohne getötet wurden.

Für US-Präsident Barack Obama ist der Tod Al-Awlakis eine weitere gute Nachricht von der Terrorfront – nach der Tötung von Bin Laden in Pakistan. Doch für Präsident Salih könnte die Art und Weise, wie der 40-Jährige getötet wurde, zu einem Problem werden. Denn die Protestbewegung kämpft nicht nur für Demokratie und Menschenrechte. Sie ist größtenteils auch gegen die engen Beziehungen ihrer Regierung zu den USA. Der Menschenrechtsanwalt Chalid al-Ansi, der mit den Demonstranten sympathisiert, sagt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Salih schon lange wusste, wo Al-Awlaki steckt. Aber erst jetzt, wo ihm das Wasser bis zum Hals steht, hat er den Amerikanern die notwendigen Informationen gegeben, um ihn zu töten.“