Es ist gegen halb vier am Sonntagmorgen. Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Polizisten werden zu einem Großeinsatz mitten in Bautzen gerufen. Als sie eintreffen, steht der Dachstuhls des früheren Hotels "Husarenhof", in das ab Mitte März bis zu 300 Asylbewerber einziehen sollen, in Flammen. Die Polizei sperrt die Straßen zum Käthe-Kollwitz-Platz ab, Schaulustige versammeln sich.

Darunter sind Anwohner, aber auch Leute, die extra mit Autos herfahren. "Da sind zum Teil mehrere Männer mit Bierflaschen in der Hand ausgestiegen", sagt Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, später der RUNDSCHAU. Er spricht von 20 bis 30 Personen. Augenzeugen berichten, was aus der Gruppe heraus gerufen wird: "Wir sind das Volk!", "Wir wollen keine Asylantenheime!" und "Lügenpresse!". Polizeisprecher Knaup: "Die Beamten haben vor Ort Stimmen vernommen, die sich sinngemäß zwischen ,Macht langsam, dass soll ruhig abrennen' und ,bloß gut, dann ziehen hier keine Asylbewerber ein' bewegten." Zu den Vorfällen würden Zeugen gesucht.

Zwei Männer in Gewahrsam

Die Polizei ermittelt laut Knaup gegen zwei 20-jährige Männer wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Ihnen seien wie einem 19-Jährigen Platzverweise erteilt worden, da sie Absperrungen der Polizei missachtet hätten. Die beiden Älteren seien betrunken gewesen und hätten die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert. Sie seien dann in Gewahrsam genommen worden. Auf der Polizeiwache werden beide auch als Zeugen zum Brand befragt, dürfen danach nach Hause gehen.

Das außer der Kripo hinzugezogene, für extremistische Straftaten zuständige operative Abwehrzentrum der sächsischen Polizei geht von Brandstiftung aus. Ein Brandursachenermittler mit Spürhund entdeckt schließlich im Gebäude Brandschleuniger-Spuren. Unklar ist, wer das getan hat. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagt Polizeisprecher Knaup.

Die Feuerwehr, mit 70 Kameraden im Einsatz, hat mehrere Stunden zum Löschen gebraucht. "Das Gebäude ist nun zumindest kurzfristig nicht mehr als Asylbewerberunterkunft nutzbar", sagt André Wucht, Pressesprecher der Stadt Bautzen, der RUNDSCHAU. Wucht hat sich zusammen mit Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) am Sonntag ein Bild von den Schäden gemacht. "Der Dachstuhl ist ausgebrannt", sagte der Stadtsprecher, Löschwasser sei ins Haus geflossen.

Die geschilderten Bemerkungen der Schaulustigen kommentiert Wucht so: "Das Verhalten einiger Leute hat den Begriff widerlich verdient. Das ist aus unserer Sicht unerträglich." "Wie erbärmlich sind die eigentlich?!", fragt auch eine Nutzerin auf der Facebook-Seite der RUNDSCHAU.

Demo für buntes Bautzen

Am Sonntagnachmittag versammeln sich am Käthe-Kollwitz-Platz etwa 70 Menschen unter dem Motto "Bautzen bleibt bunt". Sie wollen zeigen, dass "nicht alle Bautzner gegen Flüchtlinge sind". Ein Nutzer auf Facebook schreibt dazu "schmunzel": ". . .70 von mehr als 40 000 Einwohnern, echt eine repräsentative Aussage . . ."

In Bautzen sei die geplante Unterkunft für Asylbewerber zwar kontrovers, aber sachlich diskutiert worden, sagt Stadtsprecher Wucht der RUNDSCHAU. Er ergänzt: "Die Eindrücke sind noch zu frisch, aber wir werden Anfang der Woche entscheiden müssen, wie wir nun weiter vorgehen."