Zur geplanten Kreisreform haben sich die rot-roten Regierungsfraktionen und die Opposition im Brandenburger Landtag einen harten Schlagabtausch geliefert. Der kommunalpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sven Petke, warf Rot-Rot gestern im Innenausschuss vor, die umstrittene Neugliederung der Landkreise ohne inhaltliche Diskussion im Parlament durchpeitschen zu wollen. Grundlage der Debatte war eine Beschluss-Empfehlung der Regierungsfraktionen, wonach Landkreise und kreisfreie Städte künftig mindestens 175 000 Einwohner haben müssen. In Ausnahmefällen sollen auch 150 000 Einwohner reichen.

Dies würde das Ende der Selbstständigkeit für die bislang kreisfreien Städte Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel bedeuten. Dagegen gibt es heftigen Widerstand der Kommunalpolitiker. Etwa zwei Dutzend Oberbürgermeister, Bürgermeister und Stadtverordnete aus dem ganzen Land demonstrierten deswegen am Morgen vor dem Landtag gegen die Pläne.

Doch zu einer inhaltlichen Diskussion über das von Rot-Rot vorgestellte Konzept zur Kreisreform kam es im Ausschuss gar nicht. "Welche Landkreise können sich Hoffnungen machen, wenn die Mindesteinwohnerzahl auf 150 000 gesenkt wird?", fragte Petke vergeblich. Vertreter von Rot-Rot verwiesen mehrfach darauf, dass im Ausschuss zunächst nur die Fragen des weiteren Verfahrens geklärt werden sollen.

Nach langer Diskussion einigten sich die Fraktionen darauf, dass die Landräte, Oberbürgermeister, einige Bürgermeister sowie Vertreter von verschiedenen Institutionen Anfang Juni erneut zu dem Reform-Konzept angehört werden sollen. Der Landtag soll vor der Sommerpause die Eckpunkte der Reform beschließen.