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| 02:38 Uhr

Harte Worte und zur Not auch Kugeln gegen Asylsuchende

Inhaltlich voll auf der Linie ihrer Partei – Frauke Petry.
Inhaltlich voll auf der Linie ihrer Partei – Frauke Petry. FOTO: dpa
Berlin. Es gibt Politiker, die mit der AfD nicht reden wollen. Der Popularität der neuen Rechtspartei tut das keinen Abbruch. Daran dürfte nicht einmal die Schusswaffen-Aussage der Vorsitzenden etwas ändern. Nur bei den Frauen kann die AfD nicht punkten. Anne-Beatrice Clasmann

"Heimat" ist ein Wort, das in den aktuellen Wahlkampf-Slogans der AfD besonders häufig auftaucht. Diese "Heimat", so suggeriert die junge Partei, muss verteidigt werden. Und zwar nicht mit den Panzern, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) demnächst beschaffen will, sondern mit Abschiebungen und nationalen Alleingängen. Und mit Grenzkontrollen, im Extremfall auch unter Einsatz von Schusswaffen, wie Parteichefin Frauke Petry jetzt der Zeitung "Mannheimer Morgen" sagt. Die Berliner AfD-Chefin Beatrix von Storch findet es sogar grundsätzlich richtig, auch Frauen mit Kindern notfalls mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern. Auf ihrer Facebook-Seite bejahte sie die entsprechende Frage eines Users. Erst nach einer Flut kritischer Kommentare erklärte sie später: "Ich bin grundsätzlich gegen Gewalt gegen Kinder, das umfasst auch den Einsatz von Schusswaffen gegen minderjährige Migranten durch die Polizei." Die Kritik an Petry und Co schlägt am Sonntag hohe Wellen über Parteigrenzen hinweg. Die Kommentare reichen von "widerlich" bis "verroht". Mancher fühlt sich an DDR-Zeiten erinnert.

Inhaltlich liegt Petry im Prinzip schon auf der Linie ihrer Partei. Für Stirnrunzeln könnte ihre Äußerung in der AfD trotzdem sorgen. Denn einige Parteifreunde fragen sich schon länger, ob sie in Interviews und bei Vorstandssitzungen tatsächlich ihre eigenen Ideen präsentiert oder die ihres Lebensgefährten Marcus Pretzell. Der hatte schon im vergangenen Herbst über Waffengewalt an der Grenze als Ultima ratio sinniert.

Die Alternative für Deutschland, die in ihren Anfängen vor allem die D-Mark-Nostalgie pflegte, sieht durch die neuen Zuwanderer das "Deutsche" in Gefahr. Vor allem seit dem Bruch mit Parteigründer Bernd Lucke hat das Nationale in der AfD mehr Gewicht bekommen. Dadurch ist die Rechtspartei zur neuen Heimat für Menschen geworden, die mit der "Willkommenskultur" der Bundesregierung nichts anfangen können.

Jüngste Umfragen zeigen, dass dies auf rund ein Zehntel der Wahlberechtigten zutrifft. Es sind vor allem Männer. Eine am vergangenen Wochenende veröffentlichte Emnid-Umfrage brachte ans Licht: 17 Prozent der Männer würden ihre Stimme der AfD geben, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, aber nur zwei Prozent der wahlberechtigten Frauen. Warum das so ist, darüber rätseln sie jetzt im Bundesvorstand der AfD. Jeder hat da einen eigenen Erklärungsansatz. "Für die Finanzmarkt-Themen, mit denen wir damals gestartet sind, interessieren sich vielleicht eher Männer", glaubt Parteichefin Petry. Sie sagt, möglicherweise müsse die AfD, um mehr Frauen zu erreichen, auch an der "Art der Ansprache" etwas ändern.

Alice Weidel, Beisitzerin im AfD-Bundesvorstand, sagt: "Bisher wird die AfD meist nur mit den sogenannten ,harten Themen' wahrgenommen, die Frauen nicht sonderlich ansprechen." Der stellvertretende Vorsitzende Alexander Gauland hat eine andere Theorie. Er sagt: "Vielleicht ist der Mann noch immer derjenige, der denkt, er muss für das Staatswesen einstehen."

Auf diese Männlichkeits-Reflexe setzt womöglich auch der Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl am 13. März in Sachsen-Anhalt. André Poggenburg, der in der Vergangenheit wegen ausstehender Rechnungen Ärger mit den Behörden hatte, spricht die potenziellen "Landesverteidiger" direkt an. Im aktuellen Wahlwerbespot der AfD sagt er: "Ihr könnt später sagen, ihr wart dabei und habt eure Verantwortung vor unserem Land und vor euren Kindern wahrgenommen."

Zum Thema:
Recht und Ordnung, eine politische Selbstbestimmung Deutschlands sowie eine "deutsche Leitkultur" - das ist laut einer Studie den Pegida-Demonstranten in Dresden besonders wichtig. Wie aus den am Sonntag veröffentlichten Ergebnissen einer Befragung weiter hervorgeht, würden 80 Prozent der Teilnehmer die AfD wählen und 20 Prozent erst gar nicht zur Wahl gehen. Wissenschaftler des Göttinger Instituts für Demokratieforschung haben nach eigenen Angaben 610 Fragebögen vom November 2015 ausgewertet. Sie selbst bezeichnen die Studie als nicht repräsentativ. Das Institut gehört zur Georg-August-Universität Göttingen.