Einen Tag nach dem Anschlag auf die Kölner Oberbürgemeisterkandidatin Henriette Reker ist auch die Landtagsabgeordnete der Linken aus dem Havelland betroffen und entsetzt. Denn Gewalt gegen Politiker hat Andrea Johlige auch schon selbst erlebt: "Wenn man nur die strafrechtlich relevanten Dinge zählt, hatten wir fünf Anschläge auf meine Wahlkreisbüros seit Januar", sagt Johlige. "Wenn man die Aufkleber und die übrigen Dinge, die wir von den Scheiben kratzen durften, mitzählt, waren es zehn."

Auch für Caren Lay (Linke) ist das fast bitterer Alltag. "Dies ist der 18. gezählte Angriff auf mein Wahlkreisbüro", musste die Politikerin aus Hoyerswerda bereits im August feststellen. "Die Täter bespuckten ihre Opfer, beschimpften sie und warfen brennende Zigaretten nach ihnen", teilte die Bundestagsabgeordnete mit.

In einem Spremberger SPD-Büro zerstörten Unbekannte die Scheibe mit Steinen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese geht von einem politisch motivierten Anschlag aus. "Der Angriff hat mit Sicherheit etwas mit der Position der SPD in der Flüchtlingspolitik zu tun, und ich betrachte ihn auch als Attacke auf Ministerpräsidenten Woidke", sagte Freese der RUNDSCHAU.

Im Sommer hatte die Potsdamer Landesregierung auf eine Kleine Anfrage geantwortet, dass es allein in den ersten vier Monaten des Jahres mehr als 90 Anschläge von rechten und linken Gewalttätern auf Büros der im Potsdamer Landtag vertretenen Fraktionen gegeben habe. Betroffen war zum Beispiel die Kreisgeschäftsstelle der CDU Prignitz, in der der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke und der Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann ihre Bürgerbüros haben. Sie wurde mit fremdenfeindlichen Parolen beschmiert und die Scheiben mit Steinen eingeworfen. "Das war nicht das erste Mal - ich lasse mich von so etwas nicht einschüchtern", sagt Hoffmann. "Wenn ein Galgen auf einer Demonstration mitgeführt wird, und die Demonstranten deswegen nicht rausgeschmissen werden, muss man sich schon Gedanken darüber machen, was da gerade passiert", sagt Johlig.