Nach dem Willen Stanges soll das neue Gesetz schon 2008 in Kraft treten - doch dafür müssten noch vor Weihnachten die Würfel fallen.
Klar ist allen Beteiligten, dass die Konzile als die großen Parlamente der Hochschulen abgeschafft werden. Denn das Ziel sind schnelle, flache Hierarchien. Doch an anderer Stelle gibt es keine Einigung. Vor allem die künftigen Machtverhältnisse zwischen neuem Hochschulrat, Rektor und Senat gelten als gordischer Knoten, der durchschlagen werden muss.

Misstrauen ein Knackpunkt
Milbradt will Aufgaben und Entscheidungskompetenzen bis hin zur Wahl des Rektors weitgehend dem neun- bis elfköpfigen Hochschulrat übertragen. Die externen Experten sollen dabei zur Hälfte von Regierung und Hochschule benannt werden. Die SPD will dagegen, dass die Unis ihre Entscheidungen selbst treffen und die Hauptverantwortung tragen. "Ein Knackpunkt ist das Misstrauen des Ministerpräsidenten gegenüber den Hochschulprofessoren, eigenständig funktionierende Strukturen aufzubauen", sagt SPD-Hochschulpolitikerin Simone Raatz. Doch ein Rektor, der nicht von innen legitimiert sei, drohe von anderen Gremien oder von Dekanen blockiert zu werden.

"Wir brauchen Frischluft"
Dass sieht Raatz' CDU-Kollege Roland Wöller völlig anders. In den alten Strukturen gebe es kaum Chancen zur Veränderung. "Niemand trifft eine Entscheidung, die Unis werden gelähmt", kritisiert Wöller. Dies habe die schwierige Wiederwahl des Dresdner TU-Rektors Hermann Kokenge gezeigt. Die Hochschulen müssten aus dem staatlichen Korsett befreit werden, doch die Selbstbestimmung müsse zugleich "auf das notwendige Maß zurückgedrängt werden", fordert Wöller. "Wir brauchen Frischluft von außen.” Ein Hochschulrat würde dabei mit dem Blick aufs Ganze agieren.
Die Union will sich von der SPD allerdings nicht unter Zeitdruck setzen lassen. "Das Gesetz muss ein Quantensprung werden, kein Reförmchen", so Wöller. "Qualität hat Vorrang." Zugleich fordern beide Seiten Kompromissbereitschaft. In der SPD gilt es bereits als denkbar, den Rektor von Senat und Hochschulrat gemeinsam wählen zu lassen, doch die CDU fürchtet komplizierte Patt-Situationen. Einig sind sich die Unterhändler nur in einem anderen Punkt: Erst wenn die Machtfragen geklärt sind, kann das neue Hochschulgesetz weiter gestrickt werden.