Bundesweit habe Sachsen den zweitschlechtesten Wert bei der Personalausstattung mit negativen Folgen für Erzieher und Kinder. Kritik am derzeitigen Zustand kam auch von SPD und Grünen im Landtag. Mit der neu aufgelegten Kampagne "Weil Kinder Zeit brauchen" soll nach den Angaben nun der Druck auf die Politik bei den anstehenden Verhandlungen für den neuen Doppelhaushalt erhöht werden, der Ende des Jahres vom Landtag beschlossen wird.

Beteiligt an der Kampagne sind außer Wohlfahrtsverbänden auch Elternverbände sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Initiative fordert, den Personalschlüssel, also das Zahlenverhältnis von Erziehern und Kindern, in mehreren Stufen zu reduzieren. In der Kinderkrippe soll er mittelfristig von derzeit 1 zu 6 auf 1 zu 4 abgesenkt werden, im Kindergarten von 1 zu 13 auf 1 zu 10 und im Hort von 1 zu 20 auf 1 zu 16.

Geplant sind zahlreiche Aktionen, unter anderem eine große Protestveranstaltung vor dem Landtag Mitte Juni.

Unger verwies darauf, dass Fachleute bereits seit Jahren eine bessere personelle Ausstattung in den Kitas forderten. Passiert sei nichts. Sachsen stehe nicht nur in Schulfragen am Scheideweg.

Die Geschäftsführerin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Chemnitz, Cornelia Dietrich, sagte, die Situation habe sich nach dem Wegfall des Landeserziehungsgeldes noch weiter verschärft. In den Krippengruppen gebe es immer mehr Einjährige: Die Erzieher arbeiteten mit hohem persönlichen Engagement, vielfach würden Aufgaben in der Freizeit erledigt. Oft gingen Mitarbeiter an ihre Grenzen, die Zahl der Erkrankungen steige. Ein GEW-Vertreter verwies auf zunehmende Sprachprobleme bei Kindern. Es wäre besser, kleinere Gruppen zu fördern als später viel Geld in Sonderprogramme zu stecken.

Unterstützt wird die Kampagne auch von der Opposition im Landtag. SPD-Bildungspolitikerin Eva-Maria Stange forderte die CDU/FDP-Koalition auf, bei den Verhandlungen zum Haushalt mehr Mittel für die Kinderbetreuung einzuplanen. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Annekathrin Giegengack, warnte davor, die Kommunen mit der erheblichen Mehrbelastung alleine zu lassen.