Ein Bär streicht durch das Unterholz des Spreewaldörtchens Burg. Es fallen Schüsse. Verletzt zieht sich das fellige Untier in den Wald zurück.

Angst haben müssen die Burger deshalb aber nicht. Denn der Bär ist nicht echt, sondern das Ergebnis dreistündiger Arbeit von Masken- und Kostümbildnern. "Ich hatte bisher noch nie so lange Maskenzeiten", sagt Maximilian Befort, der die Rolle des Prinzen Marius in der Verfilmung des Andersen-Märchens "Der Prinz im Bärenfell" spielt.

Die Geschichte von Hans Christian Andersen erinnert an die Schöne und das Biest und an Aschenbrödel: Der eitle Prinz Marius gerät in eine Falle des Teufels und wird in einen Bären verwandelt. Nur wenn er bis zur Sommersonnenwende eine Frau findet, die ihn von ganzem Herzen liebt, wird er erlöst. Als Bär Marius auf einem Bauernhof Brot stehlen will, wird er von der schönen Elise ertappt. Die erkennt eine sanfte Seele hinter dem Bärenfell. Doch ihre grantige Tante Hedwig, die Elise gängelt und herumkommandiert, und deren Sohn Kilian versuchen, den Bären zu erschießen.

Als Schauplatz für die Schuss-Szene und weitere Einstellungen dient der Hof Hedwig, der versteckt und idyllisch mitten im Grünen im Burger Willischzaweg legt. Hinter Bäumen verborgen, abseits der Straße, liegt das historische Bauernhaus.

Von dem Gewimmel, das dort herrscht, bekommen Vorbeifahrende nichts mit. Technik wird auf Rollwagen herangekarrt, Schienen werden für eine Kamerafahrt ausgelegt, eine Technikstation mit unzähligen Knöpfen und Reglern für den Tonmann wird positioniert. Im Catering-Wagen werden gerade Tomaten und Mozarella geschnippelt.

Entdeckt hat das Kleinod, das noch bis zum heutigen Freitag Drehkulisse ist, Redakteurin Sabine Preuschhof vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), der gemeinsam mit dem Saarländischen Rundfunk (SR) für die Verfilmung verantwortlich zeichnet. Sabine Preuschhof: "Der Teufel ist ein Bewohner des Spreewalds, und deshalb wird diese Märchenverfilmung im Spreewald gedreht. Und wir wollten für den Film eine gespenstische Atmosphäre. Die Fließe mit den Kähnen sind dafür ideal."

Und mit dem Hof Hedwig war auch der für den Film gesuchte Bauernhof gefunden. Auf diesem spielen sich die letzten entscheidenden Szenen ab, hier bahnt sich das, für Märchen typische, Happy End an; mehr soll aber nicht verraten werden.

Bis es soweit ist, muss Elise (Mira Elisa Goeres) ihre Tante Hedwig aushalten, die grantig, habgierig und gemein ist. Dass die Rolle so gemein ist, hat Schauspielerin Inga Busch, die Hedwig spielt, gleich gefallen: "Mir gefällt, dass die Rolle so gemein ist, dass ich die Böse spiele. Da darf man auch mal auf die Tube drücken. Und es macht Spaß, so eine Achterbahnfahrt an Gefühlen zwischen der Zuneigung zum leiblichen Sohn und der Ablehnung von Elise zu spielen." Zudem mache es ihr unglaublich Spaß, Märchen zu spielen, da diese weg vom Realismus seien.

Genau das ist es auch, was Bodo Fürneisen, der die Regie für diese Märchenverfilmung übernommen hat, so gefällt: "Man kann der Fantasie freien Raum geben. Dass was geschieht, muss nicht wirklichkeitsgetreu sein." Es ist nicht die erste Märchenverfilmung für Fürneisen im Rahmen der ARD-Märchenreihe "Sechse auf einen Streich". Auch "Die Prinzessin auf der Erbse" (2010), bei der Iris Berben mitwirkte oder die Verfilmung von Jorinde und Joringel (2011) mit Katja Flint standen unter seiner Regie. Da er bereits in der DDR Märchenfilme gedreht hat, wurde er für die ARD-Reihe mit ins Boot geholt.

Am Wochenende bricht das Filmteam die Zelte in Burg ab und zieht weiter, um in Schöneiche, Potsdam und Berlin zu drehen. Der fertige, einstündige Märchenfilm wird im Dezember im ARD -Weihnachtsprogramm zu sehen sein.

Zum Thema:
Seit 2008 gibt es die ARD-Märchenfilmreihe "Sechse auf einen Streich", die ihren Namen hat, weil bei der ersten Auflage sechs Filme gedreht und ausgestrahlt wurden. "Die Landesrundfunkanstalten haben damals ein Programm für die ganze Familie gesucht, und Märchen sind etwas für jedes Alter", sagt Sabine Preuschhof vom RBB, die das Projekt von Anfang an als Redakteurin betreut. "Der Prinz im Bärenfell" ist der 37. Film, der im Rahmen der Reihe entsteht. Für die bisherigen Märchenverfilmungen standen unter anderem die Schauspieler Detlev Buck, Axel Milberg, Armin Rohde, Veronica Ferres oder Hannelore Elsner vor der Kamera.