Folkloregruppen, musizierendes Volk in Trachten und Kostümen, sowie kommunale Vertreter aus 91 Hansestädten und elf europäischen Ländern sorgten bis gestern für ein internationales Flair an beiden Oderufern.
Frankfurt und Slubice hatten zu den 23. Hansetagen der Neuzeit geladen. Ein Novum in der Geschichte des 1980 gegründeten Städtebundes, der sich dem kulturellen Austausch verschrieben hat: Erstmals wurde in zwei Städten und zwei Ländern gleichzeitig gefeiert.
"Schnuppere mal", meint ein sichtlich erstaunter Frankfurter zu seiner Ehefrau, "es riecht nach Fisch." Frankfurt liegt zwar seit 750 Jahren an der Oder, dieser hanseatisch-typische Duft jedoch ist hier selten und ebenso, wie die an allen Ecken in unterschiedlichen Variationen hörbare Musik vom "Schifferklavier", ein untrügliches Zeichen für etwas Besonderes. Noch im 15. Jahrhundert, als Frankfurt zu einer bedeutenden Handelsmacht aufblühte und hier wöchentlich 2400 Tonnen Ostsee-Hering umgeschlagen wurden, gehörte der Fischgeruch zum Alltag. Nun sorgten Gäste von außerhalb für dieses Flair. Ein volksfest-ähnlicher Hansemarkt zog sich vom Frankfurter Rathaus über die neu gestaltete Oderpromenade und den Grenzübergang Stadtbrücke bis nach Slubice.
Der Hansevormann aus Lübeck gab den Startschuss, Hansesänger aus Holland sorgten für Stimmung, Hansebier aus Stade floss in Strömen, das Herforder Hansebrot war köstlich und aromatisch.
Marzipan aus Lübeck, Backfisch aus Hamburg, Baumkuchen aus Salzwedel oder Senf aus dem schwedischen Visby machten an den unzähligen Ständen zwischen mehreren Bühnen neugierig. "Einfach toll. Es macht Spaß, sich unter des Massen zu mischen. Die Hanse-Gäste sind einfach mitreißend", lobte nicht nur die Frankfurterin Christina Heller. Dabei hatten es die Dänen, Schweden, Esten oder Finnen am Freitag noch schwer, die noch zaghaft schlendernden Frankfurter zu begeistern. Es goss wie aus Kübeln. Die Feierstimmung kam aber mit dem Sonnenschein.
Nach Angaben der Veranstalter lockten die Hansetage weit mehr als 60 000 Besucher an die Oder. Zum gestrigen Abschluss zogen die Künstlergruppen der einzelnen Städte musizierend und Hüte schwenkend zur Abschlusskundgebung vor die Frankfurter Konzerthalle - "Auf Wiedersehen 2004 im finnischen Turku".