Hassan Haraka aus dem Tschad hat ein klares Ziel. "Ich möchte Autoschlosser werden", sagt er auf Deutsch. Dafür holt der 26-Jährige gerade den Abschluss der neunten Klasse nach, in einer Woche ist Abschlussprüfung. Für die Autoschlosser-Lehre benötigt er eigentlich formal den Abschluss der zehnten Klasse. "Dafür bin ich aber schon zu alt, ich muss endlich arbeiten", sagt er. Deshalb hofft er, auch mit dem Abschlusszeugnis der neunten Klasse eine Chance zu bekommen.

Haraka lebt seit drei Jahren im Spree-Neiße-Kreis. Einen unbefristeten Aufenthaltstitel hat der Afrikaner nicht, nur eine Duldung. Er hat hinter sich, was viele Deutsche aus Fernsehberichten über Flüchtlinge kennen. Die Überfahrt über das Mittelmeer in einem klapprigen Boot, ein schnell abgelehnter Asylantrag in Italien, Leben dort auf der Straße, dann Deutschland. "Ich hoffe, dass ich hier eine Chance bekomme, weil ich so fleißig für meine Zukunft arbeite", sagt er und "Autoschlosser zu werden, das ist seit vielen Jahren mein Traum."

Dafür sitzt Hassan Haraka jetzt mit 15 anderen Flüchtlingen im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Cottbus im Cottbuser Ortsteil Gallinchen.

Sie sind die Teilnehmer eines ersten vierwöchigen "Willkommenskurses", mit dem die Kammer ihnen die Handwerksbetriebe und die Region näherbringen will, damit sich einige von ihnen für eine Ausbildung oder Beschäftigung hier entscheiden. Die Teilnehmer können im Ausbildungszentrum ihre handwerklichen Fähigkeiten testen, bekommen Sprachunterricht und besuchen Betriebe. Zum Start ist Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) mit einem symbolischen Scheck gekommen. 20 000 Euro Lottogelder bringt er für das Projekt der Cottbuser Handwerkskammer mit.

Die Kursteilnehmer, von denen viele schon länger in Cottbus oder dem Spree-Neiße-Kreis leben, wurden in enger Abstimmung der Kammer mit den Ausländerbehörden ausgesucht. Eine Teilnahmebedingung war ein zur Zeit mindestens noch drei Monate langes Aufenthaltsrecht. Wer dann eine Ausbildung aufnimmt, wird während dieser Zeit nicht abgeschoben (siehe Infobox).

Jeder vierte der rund 2000 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Cottbus sei laut einer Umfrage bereit, Flüchtlinge einzustellen, sagt Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher: "Das ist ein grandioses Ergebnis." Doch um dahin zu kommen, dass aus der Bereitschaft Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse werden, sei es ein langer Weg.

Doch irgendwo müsse angefangen werden, so Deutscher. Dabei würden sicher auch Fehler gemacht. Zurzeit bemühe sich die Kammer auch darum, einen Weg zu finden, um Berufskenntnisse von Flüchtlingen nach praktischer Erprobung anerkennen zu können.

Auch die Arbeitsagentur Cottbus ist seit Wochen aktiv, um Asylbewerber mit Bleibeperspektive in Arbeit zu bringen. Dazu gehen Mitarbeiter der Agentur in die Flüchtlingsheime, um dort zusammen mit den Sozialarbeitern herauszufinden, wer welche Voraussetzungen für eine Integration in den Arbeitsmarkt mitbringt.

Mehr als 500 Personen seien schon auf diesem Wege bei der Arbeitsagentur erfasst, so Agenturchef Wilhelm Müller. Doch nur ein Viertel von ihnen verfüge bisher überhaupt über Deutschkenntnisse. Sprachkurse seien deshalb der wichtigste Schlüssel. Aber auch Einstiegsqualifikationen und Ausbildungsvorbereitungen seien nötig. Wegen fehlender oder nicht anerkannter Ausbildung seien bisher auch Flüchtlinge mit Deutschkenntnissen oft nur in einfache Helfertätigkeiten zu vermitteln. In vier Fällen sei das im Landkreis Dahme-Spreewald gelungen.

"Kein Arbeitsloser muss jedoch Angst haben, dass ihm ein Job weggenommen wird", versichert Müller, "es bleibt bei der vorherigen Prüfung, ob ein geeigneter Deutscher oder anderer EU-Bürger für den Arbeitsplatz zur Verfügung steht." Nur wenn das nicht der Fall sei, habe der Flüchtling eine Chance. Auch Geld für spezielle Förderungen werde zusätzlich vom Bund bereitgestellt.

An Motivation fehle es vielen Flüchtlingen nicht, bestätigen Arbeitsagenturchef Müller wie auch Lukasz Kocur, als Projektmitarbeiter bei der Handwerkskammer Cottbus für den Willkommenskurs zuständig. "Die Menschen sind da und wir helfen, eine Perspektive für sie zu schaffen", begründet er, warum nicht nur anerkannte Asylbewerber den Kurs besuchen.

Es sei zwar das Ziel, Nachwuchs für das regionale Handwerk zu gewinnen, aber wenn Teilnehmer später doch noch zurück in ihre Heimatländer gehen, sei die Mühe nicht umsonst. "Was sie hier lernen, können sie vielleicht beim Aufbau dort einsetzen", so Kocur.

Auch Nastaran Nawras weiß noch nicht, ob sie für immer in Deutschland bleiben darf. Die 31-Jährige aus Masa-i-Sharif in Afghanistan ist seit drei Jahren in Deutschland und will auf keinen Fall zurück. In ihrer Heimat, erzählt sie, habe sie beim Fernsehen als Journalistin gearbeitet.

Um in Deutschland diesen Beruf auszuüben, müsste sie noch viel besser Deutsch können, räumt sie ein.

Jetzt sitzt sie als einzige Frau in dem Willkommenskurs der Handwerkskammer. Einen handwerklichen Beruf will sie jedoch nicht ergreifen, aber gern eine sozialpädagogische Ausbildung beginnen. In Afghanistan hatte sie studiert. Die Aussichten, dass sie in der Lausitz bleibt, sind hoch. In Forst habe sie viele deutsche Freunde gefunden und ein Ehepaar, die für sie so etwas wie Ersatzeltern geworden seien, sagt Nastaran Nawras. Ihre gesamte Familie hat sie in Afghanistan zurückgelassen.

Im nächsten Monat wird die Handwerkskammer Cottbus einen zweiten Willkommenskurs mit bis zu 20 Teilnehmern im Lehrbauhof Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) starten. Weitere Kurse sind in allen Landkreisen des Kammerbezirks in Vorbereitung.

In Sachsen nutzten 30 junge Asylbewerber die Einladung zu einem Bildungstag der Handwerkskammer Dresden Ende September, um sich über Firmen für eine Ausbildung oder ein Praktikum zu informieren.

Zum Thema:
Asylbewerber und Geduldete werden bei der Arbeitsuche durch die Agentur für Arbeit betreut. Sie können ab dem 4. Monat ihres Aufenthaltes in Deutschland über die Ausländerbehörde eine Arbeitserlaubnis beantragen. Von diesem Zeitpunkt an können sie auch Eingliederungszuschüsse erhalten.Bis zum 15. Monat ihres Aufenthaltes in Deutschland können sie jedoch nur nach einer "Vorrangprüfung" in Beschäftigung vermittelt werden. Das bedeutet, dass geprüft wird, ob für den Arbeitsplatz ein deutscher Arbeitsloser oder ein EU-Bürger zur Verfügung steht. Ist das der Fall, erhalten diese bevorzugt den Job.Eine Ausbildung können Asylbewerber ab dem 4. Monat ihres Aufenthaltes und Geduldete sofort ohne Vorrangprüfung aufnehmen.Anerkannte Asylbewerber und Kontingentflüchtlinge (zum Beispiel aus Bürgerkriegsgebieten), denen aus humanitären Gründen der Aufenthalt in Deutschland gestattet wird, werden von den Jobcentern betreut. Mit der Anerkennung ihres Asylbegehrens erhalten sie Hartz-IV-Leistungen und haben uneingeschränkten Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Im vergangenen Jahr war etwa die Hälfte der in Deutschland angekommenen Flüchtlinge jünger als 25 Jahre. Auch in diesem Jahr wird mit einem ähnlich hohen Anteil junger Menschen unter den Flüchtlingen gerechnet.Die Handwerkskammer Dresden bietet bisher keine Kurse für Flüchtlinge an, jedoch für Betriebe, die ausländische Mitarbeiter beschäftigen. Dazu gehört ein interkulturelles Training, um die Integration zu unterstützen. sim