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| 01:00 Uhr

Haiti verklagt Ex-Präsidenten Aristide

San José.. Die Übergangsregierung von Haiti hat den früheren Präsidenten Jean-Bertrand Aristide vor einem Bundesgericht in Miami (USA) wegen Bereicherung verklagt. dpa

Nach Angaben der Tageszeitung "Miami Herald" wirft Haiti dem im Februar 2004 gestürzten Staatschef vor, mehrere Millionen US-Dollar aus der Staatskasse und der nationalen Telefongesellschaft unterschlagen zu haben. Ein Teil des Geldes soll in die USA transferiert worden sein.
"Aristide hat seine Macht missbraucht und das haitianische Volk betrogen und verraten", heißt es in der 74-seitigen Zivilklage. Neben dem heute im südafrikanischen Exil lebenden Aristide wurden acht frühere Weggefährten verklagt, darunter der ehemalige Finanzminister Haitis, Lesley Lavelanet. Aristides Anwalt in Miami gab bisher keine Stellungnahme ab. In der Vergangenheit bestritt er regelmäßig ähnlich lautende Vorwürfe.
Nach einem Bericht der spanischen Tageszeitung "La Razon" wird Aristide in der Klage auch des Drogenhandels beschuldigt. Die Menge des über Haiti in die USA geschmuggelten Kokains habe sich unter Aristides Herrschaft vervierfacht und zuletzt 20 Prozent aller Kokainimporte der USA ausgemacht.
Der ehemalige Armenpriester Aristide war 1990 zum Präsidenten gewählt, aber neun Monate später gestürzt worden. Mit US-Hilfe kehrte er 1994 ins Amt zurück und regierte bis 1996. Begleitet von Manipulationsvorwürfen wurde er im Jahr 2000 wiedergewählt. Als Anfang 2004 eine bewaffnete Rebellion begann, floh er ins Ausland.
Haiti, das ärmste Land des amerikanischen Kontinents, bereitet sich derzeit inmitten zunehmender Gewalt auf Präsidentenwahlen unter der Schirmherrschaft der UN vor. Der Wahltermin für die 43 von der nationalen Wahlbehörde zugelassenen Kandidaten wurde bereits zweimal verschoben. Die Vereinten Nationen fordern, dass die erste Wahlrunde noch vor dem Jahresende stattfinden soll. Sie war zuletzt für Mitte November geplant.
(epd/roe)