In einer in New York veröffentlichten Erklärung forderte das Gremium den haitianischen Präsidenten Jean Bertrand Aristide und die Opposition zudem zu einer friedlichen Wiederherstellung der Ordnung auf. US-Außenminister Colin Powell lehnte eine internationale Intervention ab und machte weitere Hilfe von einer politischen Lösung des Konflikts abhängig.
Nach Angaben von UN-Diplomaten denkt der UN-Sicherheitsrat derzeit nicht an eine Entsendung von Friedenstruppen nach Haiti. Das Gremium forderte Aristide auf, "Vertrauen und Dialog" wiederherzustellen und warnte vor einer Verschlechterung der humanitären Lage. Die französische Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger befürchtete eine humanitäre Katastrophe. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht einschreite, werde die anhaltende Gewalt zu Wasser- und Lebensmittelengpässen in dem ärmsten Land der westlichen Hemis-phäre führen. Auch mehrere lateinamerikanische Staaten äußerten sich besorgt.

Bislang keine Hilfe in Sicht
Aristide stößt bislang mit seiner Forderung nach internationaler Unterstützung zur Niederschlagung des bewaffneten Aufstandes bei der internationalen Gemeinschaft auf taube Ohren. Derzeit gebe es "keinen Plan", die Krise in dem Karibikstaat mit internationaler Polizei oder Militär zu lösen, sagte Powell in einem Fernsehinterview. Sobald eine politische Einigung erreicht sei, werde die internationale Gemeinschaft mit zusätzlichen Polizeitruppen "tun, was sie kann".
Die regierungstreuen haitianischen Polizeitruppen verloren inzwischen die Kontrolle über weite Teile des Landes. Angesichts der immer weiter vorrückenden Aufständischen gaben die entlang der Grenze zur Dominikanischen Republik stationierten Polizeikräfte ihre Posten kampflos auf und suchten das Weite. Der dominikanische Staatspräsident Hipolito Mejía räumte ein, die Grenze zu Haiti sei "sehr schwer" zu kontrollieren.
Zum Befehlshaber der in Nationale Revolutionäre Front zur Befreiung Haitis benannten Rebellenbewegung wurde der kürzlich aus dem Exil in der Dominikanischen Republik zurückgekehrte frühere Polizeichef Philippe ernannt. Für den Fall, dass Präsident Aristide nicht zurücktritt, drohte Philippe in der Rebellenhochburg Gonaives mit Eroberung der viertgrößten Stadt Cap-Haitien sowie der Hauptstadt Port-au-Prince. Die internationale Gemeinschaft müsse Aristide zum Rücktritt bewegen, "anderenfalls werden wir den Präsidentenpalast stürmen".
Radiosender berichteten aus Gonaives von mehreren hundert schwer bewaffneten Aufständischen, die in Kampfuniform durch die Stadt zögen.
Aristide, dem seine Gegner Korruption und Machtmissbrauch vorwerfen, lehnt einen Rücktritt bislang kategorisch ab und will seine Amtszeit bis 2006 fortsetzen. 1994 hatte der damalige US-Präsident Bill Clinton mit einer 20 000 Mann starken Truppe den bei einem Putsch entmachteten Aristide wieder ins Amt verholfen. Daraufhin schaffte Aristide die Armee ab.

Schon über 55 Todesopfer
Seit dem Scheitern der Parlamentswahl Ende vergangenen Jahres herrscht der ehemalige Armenpriester per Dekret über den verarmten Karibikstaat. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Aristides wurden allein in den vergangenen zwei Wochen mehr als 55 Menschen getötet. (dpa/uk)