Februar 2010. Es war von den Linken im Thüringer Landtag hergestellt worden. Hahn, damals noch Linke-Fraktionschef in Sachsen, äußert sich darin genau wie Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und seine Amtskollegen aus den Landtagen von Hessen und Thüringen. Er spricht von der Notwendigkeit, Neonazis nicht die Straßen und Plätze zu überlassen. Ihm wird Verstoß gegen das Versammlungsgesetz vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft hält Hahn für einen führenden Kopf der Proteste, an denen damals etwa 12 000 Menschen teilnahmen. Wegen der Massen sah sich die Polizei außerstande, die Neonazis marschieren zu lassen. Hahn verweist darauf, dass die Polizei die Gegendemonstranten zu keinem Zeitpunkt zum Verlassen der Straße aufforderte. Außerdem sei er zum Zeitpunkt, als die Kundgebung der Rechtsextremen beginnen sollte, schon auf der anderen Seite der Elbe gewesen und habe sich dort mit Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) und anderen in eine Menschenkette eingereiht. Für Hahns Verteidiger Klaus Bartl besteht die entscheidende Frage darin, warum die Staatsanwaltschaft aus 12 000 Demonstranten vier exemplarisch in Verantwortung nehmen will.

Tatsächlich sind neben Hahn nur die Fraktionschefs aus Hessen und Thüringen, Janine Wissler und Willy van Ooyen sowie Bodo Ramelow angeklagt. Eine von den Linken begehrte Zusammenlegung des Prozesses war vom Gericht abgelehnt worden. Richterin Edeltraut Thaut sorgte am Dienstag im Saal für Kopfschütteln, als sie Hahn die Schuld an der Verhandlung zuschrieb. Schließlich habe die Staatsanwaltschaft ihm ein "völlig faires Angebot" unterbreitet.

Über die 17 Beweisanträge der Verteidigung entschied das Amtsgericht am Dienstag nicht. Bis 17. Dezember wurden vier weitere Termine anberaumt.