Eine Pistolenkugel hatte den 48-Jährigen in der Brust getroffen und die Lunge verletzt. Hintergrund war ein knallharter Kampf um Anteile am Cottbuser Drogenmarkt.
Im Mai 2000 hatte der Prozess gegen einen heute 28 Jahre alten Mann aus Syrien, der in Deutschland verheiratet ist und zwei Kinder hat, sowie einen 39-jährigen Asylbewerber aus dem Libanon begonnen. Gestern verurteilte die Schwurgerichtskammer die beiden Männer wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Der Syrer erhielt eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren, der Libanese von sechseinhalb Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Totschlags Haftstrafen von neuneinhalb bzw. sieben Jahren und neun Monaten gefordert. Die Verteidiger hielten maximal fünf und dreieinhalb Jahre Gefängnis für angemessen. Sie kündigten Revision gegen die Urteile an.
Die beiden Angeklagten sitzen seit dem Sommer 1999 in Untersuchungshaft. Das Gericht bestätigte die Haftbefehle, obwohl die Urteile noch nicht rechtskräftig sind. Es erkannte auf Fluchtgefahr, zumal sich die beiden Männer nach der Tat für längere Zeit einer Strafverfolgung entzogen hatten. Der Syrer hatte sich erst im Mai 1999 auf Vermittlung seines Anwalts gestellt, der Libanese war im August 1999 von Zielfahndern in Frankreich aufgespürt worden.

Schwierige Beweisaufnahme
Trotz der langen Prozessdauer konnte durch das Gericht der Todesschütze nicht ermittelt werden. Neben den Angeklagten besaßen an jenem Abend noch weitere Personen scharfe Pistolen und Schreckschusswaffen. Allerdings, davon waren die Richter überzeugt, waren die beiden jetzt Verurteilten die führenden Köpfe der Gruppe. Sie hatten das Treffen mit den beiden Drogendealern vor der Cottbuser Gaststätte anberaumt mit dem Ziel, ihnen die Marktanteile zu entreißen. Dabei hatten alle eine gewaltsame Auseinandersetzung eingeplant, ohne die Ermordung ihrer Rivalen beabsichtigt zu haben. Mut für die dann eskalierte Auseinandersetzung hatten sich die Angeklagten durch die Einnahme von Rauschgift gemacht, die ihre Steuerungsfähigkeit damals wesentlich beeinträchtigte. Das Gericht wertete das als Schuld mildernd.
In der Beweisaufnahme mussten sich die Richter vor allem auf polizeiliche Ermittlungen stützen, weil die Mehrheit der Zeugen, denen selbst Strafprozesse drohen, die Aussagen verweigerten. Auch die Vernehmungsprotokolle der Kripo konnten nicht in jedem Fall genutzt werden, weil sie fehlerhaft waren und es Widersprüche gab.