Mit einer erfundenen Vergewaltigung hatte die Frau ihren Kollegen ins Gefängnis gebracht: Nun muss die inzwischen 48-Jährige selbst für fünfeinhalb Jahre in Haft. Das Landgericht Darmstadt verurteilte das vermeintliche Opfer am gestrigen Freitag wegen schwerer Freiheitsberaubung.

Die Lehrerin hatte einen Kollegen 2002 vor einer anderen Kammer des Landgerichts Darmstadt beschuldigt, sie an einer Schule im Odenwald vergewaltigt zu haben. Er blieb bis zum letzten Tag in Haft, weil er keine Einsicht zeigte, sondern stets seine Unschuld beteuerte. Ein Wiederaufnahmeverfahren brachte 2011 einen Freispruch, die Zweifel an den Aussagen des vermeintlichen Opfers nahmen zu.

Die jetzige Entschuldigung des Gerichts konnte der Mann nicht mehr hören. Er starb 2012 an Herzversagen. Am Ende lebte er von Hartz IV. Sein Bruder nannte die Äußerung des Gerichts "respektvoll". Seine Mutter war erleichtert. "Ich hoffe, dass ich nun endlich mal zur Ruhe komme", sagte die 77-Jährige.

Ein wirkliches Motiv für das Drama gibt es nach Ansicht des Landgerichts nicht. Die Konkurrenzsituation am Arbeitsplatz sei nicht der eigentliche Auslöser gewesen. Die Frau habe eine psychische Störung, einen Hang zum maßlosen Übertreiben - und sei Erfinderin skurrilster und abwegigster Geschichten. Zum Vortäuschen ihrer Vergewaltigung habe sie sich Verletzungen selbst zugefügt - "und sie hält ihre Geschichte bis heute durch." Mit dem Urteil verliert die vom Dienst suspendierte Lehrerin ihren Beamtenstatus. Die Verteidigung kündigte an, wahrscheinlich Revision gegen das Urteil einzulegen. "Meine Mandantin war über das Urteil sehr schockiert", sagte Anwalt Torsten Rock. Er hatte einen Freispruch gefordert. Die Staatsanwaltschaft war mit dem Urteil zufrieden, sie hatte auf siebeneinhalb Jahre Haft plädiert. Kommentar & Panorama

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