Das Landgericht Cottbus verurteilte den 40-Jährigen gestern wegen Drogenhandels, versuchter gefährlicher Körperverletzung und mehrfachen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Gesamfreiheitsstrafe von sieben Jahren und drei Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar zehn Jahre Gefängnis für den Mann aus der Lausitzer Rockerszene gefordert.
R. war Gründungsmitglied und langjähriger Präsident des umstrittenen Rockerklubs Gremium MC des Chapters Cottbus mit Sitz in Spremberg. Ende vergangenen Jahres war „Eisen“ , wie er von seinen Rockerfreunden genannt wurde, im Zuge einer Razzia im Klubhaus des MC Gremium in Spremberg und in seiner Wohnung verhaftet worden. Mitglieder des Motorrad-Klubs, der in Deutschland, Polen und Griechenland agiert, werden immer wieder mit Drogen, Waffen, Zuhälterei und Geldeintreibung in Verbindung gebracht.
Nach Überzeugung des Cottbuser Gerichts war auch der Angeklagte tief in Drogengeschäfte verstrickt, was dieser vor Gericht bis zum Schluss bestritt. Nachgewiesen wurde ihm nach Angaben einer Gerichtssprecherin der Handel mit 20 Kilogramm Haschisch. Außerdem hat er acht Frauen in insgesamt 25 Fällen dem Risiko ausgesetzt, an Aids zu erkranken. Der Angeklagte habe ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen, obwohl er von seiner HIV-Infektion wusste. Er habe, so das Gericht, vorsätzlich gehandelt und seine Sexualpartnerinnen bewusst in Lebensgefahr gebracht. Es sei nur dem Glück zu verdanken, dass sich die Frauen bei ihm nicht mit dem gefährlichen Virus angesteckt haben.
Lange schon waren in der Rockerszene Gerüchte über die HIV-Erkrankung ihres Ex-Chefs im Umlauf. Frauen beruhigte er damit, dass die Gerüchte von seiner Ex-Lebenspartnerin aus Rache gestreut wurden. Zum Beweis hatte er sich sogar ein falsches Negativattest beschafft. Er sei von sehr geringer Infektionsgefahr ausgegangen, hatte R. vor Gericht den ungeschützten Geschlechtsverkehr begründet.
An der Urteilsverkündung nahmen ein Dutzend Rocker aus Sachsen teil. Sie waren ohne Kontrolle ins Gericht gelangt. (Eig. Ber./sw)