Für einen tödlichen Gewaltexzess gegen einen Obdachlosen in Oschatz (Nordsachsen) sind sechs Männer zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die beiden 27 und 28 Jahre alten Rädelsführer müssen wegen Totschlags zehn und 13 Jahre ins Gefängnis, entschied das Landgericht Leipzig am Freitag. Drei Jugendliche, die zum Tatzeitpunkt im Mai 2011 zwischen 16 und 18 Jahren alt waren, wurden zu Jugendstrafen von bis zu drei Jahren verurteilt. Ein 38-Jähriger, der den Gewaltausbruch beobachtet hatte und nicht eingeschritten war, wurde wegen unterlassener Hilfeleistung zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

"Man ist angewidert, und man ist fassungslos, was da passiert ist", sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel in der Urteilsbegründung. "Hier ist ein unbescholtener Mensch, der niemand etwas getan hat, auf brutalste Art zu Tode gekommen", sagte er und fügte hinzu: "Es ist nah am Mord." Mit dem Urteil folgte das Gericht weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Anwälte der Angeklagten hatten teilweise deutlich mildere Strafen verlangt.

Die Männer hatten in dem mehr als ein Jahr dauernden Prozess mehr oder weniger offen eingeräumt, den schlafenden Obdachlosen in einem Wartehäuschen am Oschatzer Südbahnhof zusammengetreten zu haben. Der Schädel des wehrlosen 50-Jährigen wurde regelrecht zertrümmert, er starb Tage später im Krankenhaus.

Nur einer der beiden erwachsenen Haupttäter, der 28-Jährige, hatte seine Beteiligung an den massiven Tritten bestritten. Richter Göbel sagte zu dem Mann, dieses Verhalten sei "ekelhaft". Das Gericht lasse sich nicht für dumm verkaufen.

Unklar blieb in der langwierigen Verhandlung das Motiv der Angreifer. Eine rechte Gesinnung einiger Männer, wie sie die Nebenkläger wegen einschlägiger Tätowierungen ins Spiel brachten, konnte das Gericht "zumindest nicht zweifelsfrei" feststellen, sagte Göbel.

Alle Angeklagten stammen aus einem schwierigen sozialen Umfeld, ihre Leben liefen aus dem Ruder. Dass sie am Tatabend aufeinandertrafen und miteinander reichlich Alkohol tranken, sei reiner Zufall gewesen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.