Sollte der Senator aus Massachusetts nicht zumindest in einem Teil der sieben Staaten gewinnen, könnte er seinen Favoritenstatus schon wieder verlieren. Kerrys stärkste Konkurrenten sind Howard Dean, John Edwards und Wesley Clark.
Abgestimmt wird in Arizona, Delaware, Missouri, New Mexiko, North Dakota, Oklahoma und South Carolina. Auch wenn in diesen Staaten insgesamt nur 269 der 4322 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag Ende Juli in Boston vergeben werden, können vielleicht wichtige Vorentscheidungen fallen: Wenn Kerry in dieser Runde demonstriert, dass er die Vorbehalte überwinden kann, auf die intellektuelle Neuengland-Demokraten seines Schlags im konservativen Süden und Mittleren Westen stoßen, hätte er seinen Ruf als "Siegertyp", der Bush am 2. November schlagen kann, gefestigt.

Umfragen sprechen für Kerry
Die jüngsten Umfragen deuteten darauf hin, dass Kerry von dem Schwung profitiert, den er von seinen bisherigen Siegen mitbringt: Demnach lag er in Arizona, Missouri und Delaware vorn und lieferte sich in South Carolina ein knappes Rennen mit Edwards.
Das Feld der sieben Bewerber könnte sich in dieser Runde bereits deutlich lichten. Der Geschäftsführer der Demokraten, Terry McAuliffe, hat jedenfalls allen Bewerbern, die keinen der sieben Staaten gewinnen, bereits geraten, das Handtuch zu werfen. Der lange als Favorit für die Nominierung gehandelte Howard Dean lässt sich allerdings von diesem Ratschlag nicht beeindrucken. Der frühere Gouverneur von Vermont gilt in keinem der sieben Staaten als Favorit. Seine Strategie zielt aber darauf ab, in der Siebener-Runde zumindest eine hohe Zahl von Delegiertenstimmen zu erobern und Kerry im späteren Verlauf zu bremsen. Chancen rechnet sich Dean in den Staaten Michigan, New York und Kalifornien mit ihrer hohen Zahl von Delegiertenstimmen aus. In Michigan wird am Samstag, in New York und Kalifornien erst am 2. März abgestimmt. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich heute auf South Carolina. Es ist der erste Südstaat, in dem abgestimmt wird - und die Stimmen des Südens gelten nicht nur für die Nominierung, sondern auch bei der November-Wahl als möglicherweise entscheidend. South Carolina gilt auch als Gradmesser dafür, welcher Bewerber von der afroamerikanischen Basis favorisiert wird. Besonders wichtig ist dieser Staat für Edwards, der in South Carolina geboren wurde und das angrenzende North Carolina im Senat vertritt. Edwards selbst hat zugegeben, dass er South Carolina gewinnen muss, um im Rennen zu bleiben. Aber auch der aus Arkansas stammende Ex-Nato-Oberbefehlshaber Clark will in South Carolina unter Beweis stellen, dass er vom Bonus des Südstaatlers profitieren kann.

Vier Stunden Schlaf und kalte Pizza
Große Bedeutung wird ferner dem Ergebnis in Missouri beigemessen, das mit 74 Delegiertenstimmen rein zahlenmäßig das stärkste Gewicht an diesem Dienstag hat. Und in den Südweststaaten Arizona und New Mexico richtet sich die Aufmerksamkeit nicht zuletzt auf den hohen Anteil hispanischer Wähler, die auch bei der Präsidentenwahl eine wichtige Rolle spielen können.
Nach diesem ersten "Super Tuesday" geht es Schlag auf Schlag weiter. Noch im Februar wird nacheinander in weiteren zehn Staaten abgestimmt, am 2. März folgt dann der zweite "Super Tuesday" mit Wahlen in nochmals zehn Staaten.
Viele Experten glauben, dass der Kandidat spätestens zu diesem Termin feststeht. Doch auch ein offenes Rennen bis zum Nominierungsparteitag ist nicht auszuschließen. In jedem Fall wird für den Wahlmarathon nicht zuletzt eine stabile physische Kondition gebraucht. "Vier Stunden Schlaf pro Nacht, kalte Pizza, warmes Bier, manchmal fühle ich mich wie in Examenszeiten" an der Uni, beschreibt Kerry sein Leben als Dauer-Wahlkämpfer.