"Bedrohlich blinkende Atomraketen, grüne Giftgasnebel und detaillierteste Explosionseffekte vermitteln eine nervenkitzelnde Spielwelt." Wer als Händler solche Computer- oder Videospiele ab dem 1. April an diejenigen verkauft, die dafür nicht alt genug sind, der muss mit einer Strafe von bis zu 50 000 Euro rechnen. Kein Aprilscherz - ab kommenden Dienstag gilt das neue Jugendschutzgesetz.

Lange Diskussion
Es war eine ziemliche Ochsentour, bis die Bundesregierung das Regelwerk unter Dach und Fach hatte. Der Entwurf wurde seit dem Jahr 2000 diskutiert, dümpelte aber wegen Kompetenzstreitigkeiten zwischen Bund und Ländern lange Zeit in den Gremien vor sich hin. Nach dem Amoklauf eine Schülers in Erfurt Ende April 2002 ging dann alles ganz schnell - "Ballerspiele" und digitale Gewalt galten als vermeintliche Ursache. Die damalige Jugend- und Familienministerin Christine Bergmann (SPD) präsentierte daraufhin im Juni des selben Jahres einen überarbeiteten Entwurf, mit dem Kinder und Jugendliche vor brutalen Spielen geschützt werden sollten. Die Neuerungen im Jugendschutzgesetz beziehen sich daher vor allem auf den Computer- und Videobereich. Seit fast zehn Jahren werden auf den Spielverpackungen zwar schon Empfehlungen gedruckt, ab welchem Alter ein Spiel geeignet ist. Mit dem geänderten Gesetz wird diese Angabe fü r den Handel jedoch verbindlich. Er hat künftig darauf zu achten, dass beispielsweise keinem 15-Jährigen ein "Taktik-Shooter", ein "Action-Rollenspiel" oder ein "Adventure" verkauft wird, das erst ab 16 geeignet ist. Ansonsten droht eine saftige Geldstrafe. Die Händler haben außerdem dafür zu sorgen, dass in ihren Läden Kinder nicht für sie ungeeignete Spiele spielen. Ist ein Computergame erst ab zwölf Jahren frei, darf es sowieso nicht mehr öffentlich spielbar gemacht werden.
Verantwortlich für die Altersprüfung ist die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die mit dem neuen Gesetz von den Bundesländern dazu offiziell beauftragt wird. Deren Prüfsiegel findet man erkennbar auf den Spielverpackungen, den CDs und DVDs. Verweigert die USK eine Alterskennzeichnung, kann die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (ab April: Medien) Computer- oder Videospiele auf den Index setzen. Zum Beispiel, wenn Kriege verherrlicht oder Gewalt in einer die Menschenwürde verletzende Weise dargestellt wird. Betroffen vom neuen Gesetz sind auch die zahlreichen PC-Zeitschriften, die mit Demoversionen Lust auf neue "Daddelware" machen. Die Begleit-CDs dürfen nun kein "jugendbeeinträchtigendes Material" mehr enthalten.

Zigarettenkauf erschwert
Neu ist aber noch etwas anderes: Ab dem 1. April gilt auch, dass Tabakwaren an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nicht mehr verkauft werden dürfen. Rauchen in der Öffentlichkeit ist für sie ja sowieso verboten. Bis 2007, so das Familienministerium, soll darüber hinaus der Zugang zu Zigaretten an Automaten verhindert werden. Bis dahin müssen sie durch die Zigarettenherstellern von Bargeld auf Chipkarten umgerüstet sein. Definitiv nicht im Gesetz steht übrigens ein Plan, der im vergangenen Jahr für erhebliches Aufsehen sorgte - Kindern den Disco-Besuch schon ab 14 Jahren bis 23 Uhr zu erlauben. Nach einem Proteststurm musste die damalige Ministerin Bergmann das Vorhaben wieder einpacken.