Wer sich eine Weile mit René Becker unterhält, merkt schnell, dass er einen Geschäftsmann vor sich hat mit klaren Vorstellungen, wie die Dinge zu laufen haben. Einer mit wenig Verständnis für Zweifler. Sein Selbstbewusstsein lässt ihn gelegentlich Sätze sagen wie: "Wir müssen gar nichts." René Becker ist Geschäftsführer der EKZ Stadtpromenade Cottbus GmbH, einer Tochter der Gepro Bau Gesellschaft für Projektentwicklung mbH mit Sitz in Brieselang. Eine andere GeproTochter heißt CBC Projekt GmbH. CBC errichtete für 55 Millionen Euro das vor fünf Jahren in der Cottbuser Innenstadt eröffnete Einkaufszentrum Blechen-Carré. Das Geschäft dort brummt. Becker spricht von acht Prozent Gewinn.

Die EKZ GmbH soll dem Carré einen benachbarten Erweiterungsbau hinzufügen, doch das verzögert sich immer wieder. Im Mai 2011 wurden dort vorhandene Pavillons abgerissen. Der erste verkündete Eröffnungstermin für den neuen Center-Teil war Ostern 2012. Er verstrich, ohne dass auch nur ein Bauantrag gestellt wurde. Bis heute liegt die Brache, ohne dass sich Kräne drehen. Jetzt soll die EKZ bis Jahresende den Bauantrag für den rund 20 Millionen Euro teuren Bau vorlegen. So eine jüngst von der Stadt mit EKZ geschlossene Vereinbarung. Sonst droht die Aufhebung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Damit erlösche das Baurecht und es wäre ungewiss, was aus der Brache in bester Lage wird.

EKZ-Chef René Becker kann gar nicht verstehen, warum Cottbuser Stadtverordnete an der Ernsthaftigkeit der Pläne zweifeln. 1,7 Millionen Euro habe seine Firma bereits in die Entwicklung dieses zweiten Bauabschnittes gesteckt: "Diese Investition wollen wir natürlich wieder zurückbekommen." Für rund 75 Prozent der Verkaufsflächen in dem geplanten Gebäude seien bereits Mietverträge vereinbart.

Vor einem Jahr hatte sich Becker in der RUNDSCHAU genau so geäußert. Nur dass die finanziellen Vorleistungen damals erst bei 1,2 Millionen Euro lagen. Inzwischen sind weitere 500 000 Euro dazu gekommen. "Wir bringen das zu Ende", kündigte der EKZ-Chef vor einem Jahr an.

Das sagt er auch heute. Denn das vorhandene Center sei nicht groß genug, um sich langfristig wirtschaftlich gut zu tragen. Die Skepsis vieler Stadtverordneter, ob der Erweiterungsbau wirklich errichtet wird, geht jedoch inzwischen quer durch die Fraktionen im Stadtparlament. Ein Brief von Becker, der Ende Juli im Rathaus eintraf, wirkte dabei wie Brandbeschleuniger.

In dem Schreiben verwies Becker in einem Ton, den Abgeordnete als Drohung empfanden, auf die juristisch starke Position seiner Gesellschaft. In zehn Punkten listete er auf, was vermeintlich passieren würde, wenn die Stadt den Bebauungsplan für die Erweiterung des Einkaufscenters aufheben würde.

Denn die Fläche für den zweiten Bauabschnitt hatte die EKZ 2006 von der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft gekauft - ohne Investitionsauflage. Bei dem Grundstück für das bereits errichtete Carré war es anders. Hier war die Stadt selbst der Verkäufer und schrieb eine Investitionsverpflichtung in den Kaufvertrag.

Das Grundstück für den Erweiterungsbau sei bezahlt, ein Weiterverkauf nicht geplant, schrieb Becker nun an Baudezernentin Marietta Tzschoppe. Die EKZ sei völlig frei in ihren Entscheidungen. "Die monatlichen Belastungen können wir noch 20 Jahre lang bezahlen", teilte Becker selbstbewusst mit.

Die Cottbuser Baudezernentin bezeichnet den Brief von EKZChef Becker als "sehr dreist". Die Vertreter der Firma seien immer schon "spröde Partner" gewesen. Inzwischen habe Becker den Ton des Schreibens in einem Telefongespräch jedoch schon bedauert. Der betont indes, dass er sich nicht für das Schreiben entschuldigt habe und dass er das auch nicht vorhabe. Eine erste Version sei sogar noch schärfer formuliert gewesen: "Ich bin von Frau Tzschoppe ja aufgefordert worden, unsere Sicht der Dinge darzulegen." Er stehe zu diesem Brief.

In dem Schreiben hatte Becker auch darauf hingewiesen, dass der Kaufkraftfaktor in der Region durch den demografischen Wandel einen Rekordtiefstand erreicht habe und Besserung nicht zu erwarten sei. "Wenn das stimmt, kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Bank das finanziert", sagt Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Drogla (SPD). Wenn der zweite Bauabschnitt scheitern würde, hätte die Stadt ein großes Problem: "Die Gespräche mit dem Investor werden dann sicher nicht angenehm." Bei vielen Abgeordneten herrsche Ratlosigkeit.

Hagen Streese (CDU) sagt, dass viele Cottbuser Abgeordnete in dieser Frage zwiegespalten seien, und es dabei nicht nur um die Baufinanzierung ginge: "Einige sagen, wir brauchen den zweiten Teil des Centers gar nicht mehr." Wenn es zur Aufhebung des Bebauungsplanes käme, habe die Stadt zwar noch einige baurechtliche Möglichkeiten, um auf den Zustand der Fläche Einfluss zu nehmen, doch die reichten nicht sehr weit.

Jürgen Maresch von den Linken rechnet indes mit einer Aufhebung des Bebauungsplans, denn er glaubt nicht, dass der Investor in den nächsten Monaten die Finanzzierung für den zweiten Bauabschnitt vorweisen kann.

Wenn bis zum Jahresende kein Bauantrag für die Carré-Erweiterung vorliegt, scheint die Stadt auch fest entschlossen, das Aufhebungsverfahren für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan in Gang zu setzen. So ein Verfahren könnte jedoch etwa ein Jahr dauern, räumt Peter Nitschke, Fachbereichsleiter Bau, ein.

Nach einem 2010 unterschriebenen Vertrag müsste die Baustelle dann von der EKZ GmbH verfüllt und begrünt werden, sagt Nitschke. EKZ-Chef Becker hält aber gleich dagegen: "Das ist eine Privatfläche, die kann zwar begrünt, aber nicht öffentlich begangen werden." Doch dazu werde es ja, wenn man Becker glaubt, nicht kommen. Inzwischen läge ein Wert-Gutachten für die Beleihung des Einkaufscenters samt Erweiterungsbau vor, so der EKZ-Chef. Denn die Bank-Verhandlungen hätten das Ziel, nicht nur den Neubau zu finanzieren, sondern auch die Kredite des seit fünf Jahren fertigen ersten Bauabschnittes umzuschulden.

Anfang September will Becker das Gutachten einem Sonderausschuss der Stadt Cottbus vorstellen. Es ist der erste Termin einer monatlichen Berichtspflicht, die sich die Stadt bei dem kürzlich gewährten Zeit-Aufschub von Becker ausbedungen hat. Der sagt, das Wert-Gutachten sei äußerst positiv: "Vielleicht bringe ich Anfang September ja den Kredit gleich mit."