Mindestens die Hälfte der verschleppten 32 europäischen Touristen sind offenbar befreit worden. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am Mittwoch mit, dass sechs der 16 Deutschen frei sind. Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner bestätigte, dass alle zehn vermissten Österreicher in ihre Heimat zurückkehren können.

Nach algerischen Zeitungsinformationen befreiten Spezialkräfte bereits am Dienstag insgesamt 17 Sahara-Touristen. Neun Entführer sollen bei der Aktion getötet worden sein. Unklar ist, ob auch Verletzte oder gar Tote unter den verschleppten Touristen sind: Algerischen Zeitungen zufolge soll es bei einer Befreiungsaktion möglicherweise auch Todesopfer unter den Geiseln gegeben haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte bei seiner Reise nach Algerien noch am Dienstag seine Hoffnung bekräftigt, dass die verschleppten Algerien-Touristen „ohne Rückgriff auf Gewalt“ wieder frei kommen.

Zuerst hatte am Vormittag der Salzburger Landeshauptmann (Ministerpräsident) Franz Schausberger im österreichischen Rundfunk ORF über den ersten Lichtblick im Geiseldrama berichtet. Die Wüsten-Touristen seien seit 4.00 Uhr frei und in guter Verfassung, hieß es. Unter den Sahara-Touristen sind 16 Deutsche, zehn Österreicher, vier Schweizer, ein Niederländer sowie ein Schwede.

Ein Teil der entführten Sahara-Touristen befindet sich nach Angaben der Bundesregierung „weiterhin in einer prekären Situation“. „Ihr Leben und ihre Unversehrtheit zu sichern, darauf konzentrieren sich jetzt all unsere Bemühungen“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

Ein Sprecher des Schweizer Außenministeriums bedauerte, dass die Informationen über die freigelassenen Touristen an die Öffentlichkeit gelangten. Das könne das Schicksal der übrigen Vermissten gefährden. Die Schweiz hat keine Erkenntnisse über die Freilassung ihrer vier Staatsangehörigen. Auch der Niederländer gehört nicht zu der Gruppe der Befreiten.

Die sechs freien Deutschen werden in Algier von der Deutschen Botschaft betreut. Es gehe ihnen „den Umständen entsprechend gut“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Die befreiten zehn Österreicher seien „zwar sehr erschöpft aber wohlbehalten“, hieß es in einer Erklärung des Wiener Außenamtes. „Im Hinblick auf die anderen in Algerien vermissten europäischen Touristen, die sich noch nicht in Sicherheit befinden, kann das Außenministerium derzeit keine weiteren Details bekannt geben.“

Die Sicherheitslage in Algerien aus Sicht des Auswärtigen Amtes:

http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=4

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Hintergrund: Deutsche Urlauber in der Hand von Kidnappern - spektakuläre Fälle

März 2001, Ägypten: Im ägyptischen Urlauberziel Luxor entführt ein Einheimischer vier deutsche Touristen und hält sie in einer Wohnung nahe des weltberühmten Tempels fest. Er will die Rückkehr seiner drei und acht Jahre alten Söhne von Deutschland nach Ägypten erzwingen, die bei seiner geschiedenen deutschen Frau leben. Nach drei Tagen lässt der Mann die Geiseln frei und stellt sich.
April 2000, Philippinen: Die Terrorgruppe Abu Sayyaf kidnappt 21 Menschen, darunter das Göttinger Ehepaar Wallert mit Sohn Marc. Sie werden von der malaysischen Urlauberinsel Sipadan auf die Insel Jolo verschleppt. Nach zähen Verhandlungen und Lösegeld in Millionenhöhe kommen die Deutschen nach und nach frei. Als letzter kehrt Marc Wallert nach viereinhalb Monaten Geiselhaft in die Heimat zurück.
Juni 1999, Somalia: Piraten kapern vor der Küste Somalias eine Segelyacht und verlangen für die Freilassung der vier Männer und einer Frau aus Deutschland 200000 Dollar Lösegeld. Nach Gesprächen mit EU-Mitarbeitern geben die Geiselnehmer auf.
Dezember 1998, Kolumbien: Ein Urlauber aus München, der mit einem Geländewagen durch Kolumbien fährt, wird in der Stadt Cali von kommunistischen Guerilleros verschleppt. Erst fünf Wochen später kommt der 60-Jährige wieder frei.
Dezember 1998, Jemen: Drei Frauen und ein Mann werden mehr als drei Wochen von einem jemenitischen Stamm festgehalten. Das Kidnapping endet unblutig, die Entführer ergeben sich.
März 1997, Jemen: Vier deutsche Touristen auf Abenteuerurlaub im Jemen werden auf dem Weg in die östlich gelegene Stadt Maarib verschleppt. Nach zehn Tagen werden die beiden Paare von Sicherheitskräften befreit.
Juli 1995, Indien: Im indischen Teil von Kaschmir gerät ein Erfurter Student zusammen mit vier anderen westlichen Touristen in die Gewalt der separatistischen Moslem-Gruppe „Al Faran“. Es wird vermutet, dass die Geiseln tot sind.
August 1993, Türkei: Die militante kurdische Arbeiterpartei PKK entführt im Osten des Landes sieben Touristen, unter ihnen zwei Deutsche. Vier Wochen später werden alle sieben wieder frei gelassen. Die PKK wollte mit dem Menschenraub auf die Lage der Kurden aufmerksam machen.

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