In der Mark soll mit der Neufassung des Strafvollzugsgesetzes - seine Vorlage ist für Ende 2011/Anfang 2012 geplant - sogar ein Rechtsanspruch darauf bestehen. Nach der Tötung von Remscheid wurden nach Ministeriumsangaben aber in den Brandenburger Justizvollzugsanstalten noch einmal alle Abläufe auf den Prüfstand gestellt. Langzeitbesuchsräume gibt es in den Haftanstalten Brandenburg/Havel, Cottbus-Dissenchen, Luckau-Duben und der Jugendanstalt Wriezen. Bei dem Vorfall Anfang April in Nordrhein-Westfalen hatte ein Häftling - ein verurteilter Mörder - seine 46-jährige Freundin mit einem Gurt stranguliert und auf sie eingestochen. Der Mann war nicht durchsucht worden, bevor er in den Raum für Langzeitbesuche gelassen wurde. Die als "Liebeszimmer" bezeichneten Räume, in denen der Häftling sich ungestört mit dem Partner, aber auch mit Kindern oder Geschwistern aufhalten kann, haben nicht das nüchterne Zellen-Ambiente. Bettcouch, Sessel, Tisch und Stühle sollen für wohnliche Atmosphäre sorgen. Dazu gibt es eine kleine Küchenzeile, für Kinder eine Spielecke und Toilette und Dusche. Die Räume werden nicht überwacht, aber im Notfall kann per Knopfdruck ein Justizbeamter alarmiert werden. Vor und nach jedem Besuch checken Bedienstete die Räume. In Brandenburg hat jeder erwachsene Gefangene im Normalfall Anspruch, mindestens zwei Stunden im Monat Besucher zu empfangen. Bei jungen Untersuchungsgefangenen und Häftlingen im Jugendstrafvollzug sind mindestens vier Stunden vorgesehen. Außerdem kann es Sonderbesuche geben - wie in den speziellen, familienfreundlich gestalteten Räumen. Minister Schöneburg spricht sich für längere Langzeitbesuche aus und will den Anspruch darauf künftig eindeutiger und klarer geregelt wissen. Das würde über die derzeit praktizierte großzügige Auslegung des Strafvollzugsgesetzes des Bundes sogar hinausgehen. "Einheitliche Maßstäbe bringen den Gefangenen mehr Rechtssicherheit. Künftig gilt: Wer bestimmte Prüfkategorien erfüllt, hat darauf Anspruch", sagt der Minister, der jahrelang als Strafverteidiger arbeitete. Der Gefangene müsse auch das Recht haben, Langzeitbesuche einklagen zu können. Im Vordergrund steht für den Minister dabei der Resozialisierungsgedanke - "der in Brandenburg - als einzigem Bundesland - in der Landesverfassung verankert ist", betont Schöneburg. Nach Ansicht des Politikers reichen die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen - wenn sie konsequent eingehalten werden - aus.