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Hacker-Attacken schrecken auf – Interpol berät über Online-Sicherheit

Hackerangriffe werden weltweit zu einer immer größeren Bedrohung.
Hackerangriffe werden weltweit zu einer immer größeren Bedrohung. FOTO: dpa
Singapur/Brüssel. Der jüngste Cyber-Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat auf den französischen Sender TV5 führt es erneut vor Augen: Das Internet macht Medien, aber auch Regierungen und Unternehmen angreifbar. Beim Interpol Weltkongress vom 14. bis zum 16. April in Singapur ist Cybersecurity ein zentrales Thema. dpa/uf

Wenige Tage nach dem Fall des Senders TV5 in Paris hat jetzt erneut ein Fall von Cyberkriminaltät aufhorchen lassen. Mit einer massiven Attacke haben unbekannte Hacker die belgische Mediengruppe Rossel zum Abschalten ihrer Nachrichten-Websites gezwungen. Der Internetauftritt der bekannten Zeitung "Le Soir" und mehrerer Regionalblätter musste am Sonntagabend vorsichtshalber für mehrere Stunden aus dem Netz genommen werden. Nur so habe ausgeschlossen werden können, dass Hacker dort Nachrichten platzieren, berichtete der IT-Chef des Verlags, Pascal Van Der Biest. Über den Hintergrund des Angriffs gab es zunächst keine Informationen. Die Redaktion von "Le Soir" machte allerdings klar, dass nichts auf eine Verbindung zur Cyberattacke gegen TV5 Monde hindeute.

In Singapore treffen sich von heute an IT-Experten. Sie beraten bei ihrem zweitägigen Kongress, wie solche Angriffe verhindert werden können. Die RUNDSCHAU beleuchtet, worum es geht.

Was ist Cybersecurity?
Im Alltag können immer mehr Angelegenheiten online abgewickelt werden. Regierungsdaten sowie Informationen einzelner Nutzer sind im Netz auf Servern gespeichert und per Knopfdruck abrufbar - aber vor Angriffen nicht gefeit. Mithilfe von Cybersecurity sollen Computer, Netzwerke und Daten vor unautorisierten Zugriffen geschützt werden. Denn die Zahl der Vergehen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Prominente Fälle waren der Angriff auf Sony Pictures im vergangenen November oder das Online-Auktionshaus Ebay Mitte 2014. Ziel der IT-Sicherheitsspezialisten ist es, den immer raffinierteren Methoden der Hacker stets einen Schritt voraus zu sein. Der vage Begriff "Cybersecurity", der sich aus den englischen Worten "cyber" (Kurzform für "Kybernetik" und "security" (Sicherheit) zusammensetzt, ist nicht unumstritten, da etliche Experten ihn lediglich als schwammige Marketing-Floskel für nicht genau definierte Computer-Sicherheitsprojekte deuten.

Wer sind die Angreifer und welchen Schaden verursachen sie?
Während Regierungen in Wirtschaftsspionage und Hacker-Angriffe verwickelt sein können, sind Betrugsfälle und Datendiebstahl eher das Metier individueller Krimineller. In der Vergangenheit stand China bei einer Vielzahl mutmaßlicher Cyber-Angriffe unter Verdacht. Auch westliche Geheimdienste wie die amerikanische NSA oder die britische GCHQ arbeiten mit den Werkzeugen von Cyberkriminellen. Doch in vielen Fällen kann die Identität der Angreifer nicht zweifelsfrei geklärt werden. Der durch sie verursachte Schaden kostet die Weltwirtschaft jährlich rund 400 Milliarden Dollar (369 Milliarden Euro), schätzt der US-Hersteller von PC-Sicherheitssoftware McAfee.

Welche Rolle spielt Interpol?
Die internationalen Polizeiorganisation Interpol hat ein Zentrum gegründet, das sich speziell dem Kampf gegen Cyberkriminalität widmen soll. Am Montag ist das "Interpol Global Complex for Innovation" (IGCI) mit Sitz in Singapur offiziell eröffnet. Es soll nationale Strafverfolgungsbehörden vernetzen, um den weltweiten Kampf gegen Cyberkriminalität zu erleichtern.

Zum Thema:
Meist haben es die Angreifer auf Zugangsdaten oder sensible Informationen des Unternehmens abgesehen. "Das Hauptproblem ist, dass die Netze von Unternehmen oft nicht sehr gut geschützt sind", sagt Christoph Meinel, Professor am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut. "Es sind ja ganz unterschiedliche Wege, auf denen ein Angriff laufen könnte." Zu den Tricks von Kriminellen zählt es, Mitarbeiter mit gezielt gefälschten E-Mails dazu zu bringen, ihre Passwörter zu verraten. Sie lassen die E-Mails beispielsweise so aussehen, als kämen sie von der hauseigenen IT-Abteilung. Zu einfache Passwörter wie "12345" oder "Passwort" können sowieso ohne großen Aufwand geknackt werden. Immer wieder verschaffen sich Hacker auch Zugriff auf Datenbanken, die Unternehmen nicht ausreichend schützen, und stehlen Kundendaten. Unternehmen müssten deswegen Datenbanken und Passwörter gut schützen, sagt Sicherheitsfachmann Meinel. "Das muss professionell gemacht werden." Ein effektiver Schutz sei möglich, sei aber eine Frage des Aufwands, sagt auch Marc Fliehe vom IT-Verband Bitkom. "Die ersten 80 Prozent der wirksamsten Sicherheitsmaßnahmen können Sie auch mit geringen Mitteln umsetzen, danach steigt der Aufwand stark an." Die Absicherung sei dringend geboten, sagt Bitkom-Sicherheitsfachmann Fliehe.