Später, auf Nachfrage, sagte er dann unter vier Augen, dass ihn ein gesundheitliches Problem quäle. So sind sie, unsere Politiker - immer kerngesund, immer fleißig. So sind sie geworden, weil sie denken, das Volk erwarte den vollen Einsatz. Und über das Geld, das sie dafür bekommen, reden sie genau so ungern wie über die Krankheiten, mit denen sie sich herumschlagen. Sie wissen schon warum, schließlich sind sie oft genug beschimpft worden wegen ihres angeblichen Luxus- und Lotterlebens auf Kosten der Allgemeinheit. Tatsächlich aber hätte, was die Vergütung betrifft, den Finanzminister das pure Entsetzen packen müssen, als er jüngst in seinem Bericht über die Landesbeteiligungen nachlesen konnte, was andere verdienen. Beispielsweise die beiden Geschäftsführer der landeseigenen Lottogesellschaft, die 414 000 Euro im Jahr kosten - deutlich mehr als der Ministerpräsident und sein Stellvertreter zusammen und etwa so viel wie gut ein halbes Dutzend unserer Volksvertreter. Was die dafür machen, weiß in Potsdam keiner so richtig und wenn einer der beiden krank ist, interessiert das niemanden. Wahrscheinlich würde es noch nicht einmal auffallen, wenn beide längere Zeit fehlen. Schimpfen tut bei denen auch keiner, obwohl die Masse ihrer Kunden regelmäßig verliert. Also wenn wir als Lottospieler oder Rundfunk-Gebührenzahler völlig frei von Neidkomplexen denen das gönnen, was sie sich verdienen, warum sind wir dann bei unseren Abgeordneten und Regierenden so streng? Bestrafen wir uns nicht am Ende selbst, wenn wir ausgerechnet die, die unsere Interessen vertreten sollen, so kritisch behandeln? Falls sie zufällig einen Abgeordneten kennen, der sich erkennbar abmüht, könnten Sie den zu Ostern ja mal mit der Mitteilung überraschen, dass er ganz schön arbeitet für sein Geld - zumindest vergleichsweise.

PS. Natürlich gibt es auch faule Politiker, faule Menschen gibt es ja überall. Selbst bei den Journalisten.