Ein Jahr nach Schließung der Haasenburg-Heime kommt der Skandal vor Gericht. Am 20. Januar 2015 sei der erste Prozess gegen einen Erzieher geplant, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Lübben. Ein weiterer solle am 3. Februar beginnen. Bisher liegen dem Gericht drei Anklagen der Staatsanwaltschaft Cottbus vor. Diese ermittelt in rund 50 Verfahren gegen Erzieher und Betreiber wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung.

Die umfangreiche Prüfung könne wohl nicht mehr in diesem Jahr abgeschlossen werden, sagte eine Behördensprecherin. Zudem prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Betreiber falsch abgerechnet haben. Auch für das brandenburgische Jugendministerium ist der Fall längst nicht abgeschlossen. Der Heimbetreiber weist die Vorwürfe von sich - das Widerspruchsverfahren gegen die Schließung der Heime dauert an.

Die damalige Ministerin Martina Münch (SPD) hatte der Haasenburg GmbH im Dezember 2013 die Betriebserlaubnis entziehen lassen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte die Entscheidung im Mai 2014 im Eilverfahren bestätigt. In der Hauptsache steht eine Verhandlung noch aus. Diese ist erst möglich, wenn das Widerspruchsverfahren bei der Behörde abgeschlossen ist. Im Ministerium werden die Unterlagen geprüft. Dazu werden auch Akten der Staatsanwaltschaft hinzugezogen.

In den drei Haasenburg-Heimen in Brandenburg hatten Jugendämter aus ganz Deutschland Kinder und Jugendliche untergebracht. Die Heime hatten zuletzt 114 Plätze, davon 60 in der geschlossenen Einrichtung.