"Wir wissen definitiv, dass eine Zündauslösung in beiden Fällen erfolgt ist", ließ gestern der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, keinen Zweifel an der Skrupellosigkeit der Täter aufkommen. Dass die in den Bahnhöfen von Dortmund und Koblenz sichergestellten Bomben nicht explodierten, war nach Überzeugung der Fahnder letztlich den "handwerklichen Fehlern" der Attentäter beim Bombenbau zu verdanken.
Welche technischen Probleme die Detonation der baugleichen Sprengsätze in den Regionalzügen Aachen-Hamm und Mönchengladbach-Koblenz verhinderten, ließ Ziercke bewusst offen. Schließlich wollten die Ermittler den Tätern "keine Hinweise und Anleitungen" geben. Sicher sei jedenfalls, "dass die Täter die Explosionen auslösen wollten", und zwar zeitgleich in beiden Zügen. Auf jeweils 14.30 Uhr waren die als Wecker dienenden Zündeinrichtungen gestellt - doch die Sekundenzeiger tickten weiter, ohne dass die Sprengsätze explodierten.
Wären die Kofferbomben hochgegangen - die Folgen wären furchtbar gewesen: Es hätte einen Feuerball gegeben, sagte Ziercke - durch die Plastikflaschen mit Brandbeschleuniger, die in beiden Koffern gefunden wurden. Zugwaggons wären ausgebrannt, betonte der BKA-Präsident, es wäre "eine unbestimmte Anzahl an Toten und Verletzten" zu beklagen gewesen. Zudem wären beide Regionalzüge womöglich entgleist.
Das Motive für die Tat liegt zwar immer noch im Dunkeln - allerdings spricht unterdessen nach Erkenntnissen der Ermittler viel für einen terroristischen Hintergrund. Allerdings glauben die Fahnder, dass sie durch ihre Ermittlungen den Tätern bereits ein Gesicht geben konnten. Seit gestern suchen sie mit Hochdruck zwei Männer im Alter zwischen etwa 25 und 30 Jahren, die sie auf Videobändern aus dem Kölner Hauptbahnhof ausfindig gemacht haben. Die beiden Männer bestiegen nach Erkenntnissen des BKA auf Gleis 3 des Kölner Hauptbahnhofs um die Mittagszeit des 31. Juli kurz hintereinander die betroffenen Züge und stellten darin die Koffer ab.
Über ihre Identität wissen die Fahnder nach eigenen Angaben noch nichts. Zu den wenigen Indizien, über die die Ermittler verfügen, gehört ein abgerissener Zettel mit arabischen Schriftzeichen, der in dem Koblenzer Koffer gefunden wurde, darauf eine Telefon-Nummer aus dem Libanon. Als weitere wichtige Spur gelten zwei Plastiktüten mit aus dem Libanon stammender Speisestärke, die in dem Dortmunder Koffer sichergestellt wurden. Laut Ziercke ermittelten die Behörden einen Gewürzhändler, der diese Speisestärketüten im Großraum Essen vornehmlich an libanesische Familien verkauft.
Klar scheint in jedem Fall, dass die beiden mutmaßlichen Täter hochgefährlich sind. Ziercke zeigte sich jedenfalls überzeugt, eine Wiederholungsgefahr sei "durchaus gegeben". Und auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte: "Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Gefahr einer Wiederholung dieser Anschlagsversuche weiterhin besteht."