Während im Süden Brandenburgs derzeit ohnehin nur ARD, ZDF und rbb über Dach- und Zimmerantennen zu empfangen sind, können ab dem 12. Dezember rund zehn öffentlich-rechtliche Programme angeschaut werden.
Für den TV-Empfang ist dafür jedoch ein Zusatzgerät notwendig, das etwa 60 Euro kostet. Grund zur Panik besteht nicht. Denn wer einen Kabel- oder Satellitenanschluss hat, für den ändert sich nichts.
Die Umstellung auf die digitale Technik, auch kurz DVB-T (Digital Video Broadcasting Terrestrial) genannt, "bietet eine größere Programmvielfalt sowie eine bessere Bild- und Tonqualität", sagt Volker Schreck, Pressesprecher beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rrb). Für die Nutzer bedeutet das jedoch, dass sie sich eine Set-Top-Box kaufen müssen. Diese wird, ähnlich wie ein Receiver beim Satelliten-Empfang, zwischen Antenne und Fernseher angeschlossen. Sie "übersetzt" die digitalen Datenpakete in Signale, die auch ein herkömmlicher analoger Fernseher darstellen kann.
Wer sein Programm bisher über eine Haus- oder Dachantenne empfing, kann diese auch weiterhin nutzen. Ansonsten richtet sich die Wahl der richtigen Antenne nach der Entfernung zum Senderstandort. Die Verbraucherzentralen empfehlen deshalb, beim Kauf einer Antenne mit dem Händler gleich einen möglichen Umtausch zu vereinbaren und sich von Fachkräften beraten zu lassen. Die notwendigen Zusatzgeräte für den TV-Empfang können bereits jetzt bei einer Vielzahl von Herstellern im regionalen Handel gekauft werden. Bei MediMax in Cottbus kostet die Set-Top-Box ab 59 Euro. Die Preise variieren je nach Ausstattung und Anschlussmöglichkeiten des Gerätes. Der Elektromarkt bietet auch Pakete mit entsprechenden Antennen an. "Da wir die genaue Sendeleistung noch nicht wissen, empfehlen wir unseren Kunden, noch bis zum 12. Dezember zu warten", sagt Fachberater Dieter Zacarias. Erst dann werde man wissen, ob beispielsweise in Cottbus eine einfache Zimmerantenne oder eine Außenantenne nötig ist.
Das Interesse an der neuen Technik sei aber schon jetzt sehr groß, sagt Zacarias. "Es gibt täglich Nachfragen." Für die meisten Haushalte im ehemaligen Bezirk Cottbus soll eine einfache kleine Zimmerantenne bereits ausreichen. Bewohner der Randgebiete Südbrandenburgs benötigen dagegen eine Außenantenne, benennt rbb-Sprecher Schreck die prognostizierte Sendeleistung.
Die Zuschauer profitieren bei der Umstellung zum DVB-T von neuen Nutzungsmöglichkeiten. So können beispielsweise Laptops, PDAs oder PCs das Signal empfangen. Im Handel gibt es hierfür eine große Auswahl an USB-Sticks und Einsteckkarten. "Fernsehen ist dann auch unterwegs oder auf dem Campingplatz möglich", sagt Schreck. Das neue Digitalfernsehen dürfte deshalb vor allem auch für Garten- und Laubenbesitzer interessant sein. Hier reicht eine einfache Zimmerantenne, um zehn Sender zu empfangen. Auch für Zweit- oder Drittfernseher ist der DVB-T-Empfang eine Alternative. Denn anders als beim Kabelfernsehen fallen keine monatlichen Kosten außer den Rundfunkgebühren an.

Zehn Sender werden ausgestrahlt
Das neue Programm wird in Brandenburg zehn Sender umfassen. Neben ARD und ZDF gibt es ab dem 12. Dezember auch Phoenix, KiKa, 3Sat, arte, mdr, NDR, ZDFdokukanal und 1extra zu sehen. Ebenfalls verbreitet wird der Datendienst ZDFdigitaltext, für dessen Empfang jedoch ein MHP-fähiges Gerät benötigt wird. Privatsender wie RTL oder Sat.1 werden ihr Programm dagegen auch künftig in der Lausitz nicht über Antenne ausstrahlen. Für Bettina Klauser, Sprecherin von RTL Television, hat das nichts mit der Region zu tun, sondern ausschließlich wirtschaftliche Gründe: "Wir konzentrieren uns bei der terrestrischen Verbreitung auf Ballungsräume wie beispielsweise Berlin." Die Kosten für die Verbreitung seien im ländlichen Raum nicht refinanzierbar. Die Zuschauer im Berliner Umland haben es da besser. Seit Ende 2002 können sie über DVB-T 28 Programme, darunter auch private Sender, im Digitalmodus empfangen.
Die Umstellung auf die digitale Fernsehübertragung sei notwendig, da die analoge Technik an ihre Grenzen gestoßen ist, erklärt Schreck. „Durch die Digitalisierung gewinnt das Antennenfernsehen wieder an Attraktivität.“ Außerdem bleibe neben Kabel- und Satellitenfernsehen damit auch der dritte Übertragungsweg erhalten. Europaweit wird derzeit dasselbe System aufgebaut, die Technik könne auch in Südspanien verwendet werden, sagt der rbb-Sprecher.

Calau ist Senderstandort im Süden
In Brandenburg gibt es für die digitale Ausstrahlung nur zwei Senderstandorte. Neben Calau für den Landessüden wird für den nördlichen Teil Brandenburgs das Signal von Booßen bei Frankfurt (Oder) ausgestrahlt.
Sachsen wird bisher nur im Ballungsgebiet Leipzig mit digitaler Ausstrahlung versorgt. Für 2007 sind weitere Umstellungen geplant, bestätigte ein mdr-Mitarbeiter. Auch die Bewohner von Hoyerswerda und Weißwasser können sich auf das digitale Fernsehen freuen, jedoch werde hier für den Signalempfang eine Außenantenne nötig sein. Allerdings gebe es im grenznahen Bereich derzeit noch Verhandlungen für die Frequenznutzung mit Polen und Tschechien.
In Deutschland können mittlerweile laut ZDF mehr als 70 Prozent der Bevölkerung digitales Fernsehen über Antenne empfangen. DVB-T soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Bis 2008 soll der Umstieg von analoger auf digitale terrestrische Verbreitung flächendeckend abgeschlossen sein.

Service Weitere Informationen
rbb-Serviceredaktion: Telefon: 01805/21 71 21 (12 C/min); E-Mail:
serviceredaktion@rbb-online.de
ZDF-Zuschauerredaktion: Telefon: 06131/70 21 61;
E-Mail: info@zdf.de
Internet:
www.ueberallfernsehen.de
Videotext: rbb-Text ab Seite 300, ZDF-Text ab Seite 479