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Gute Erzieher, aber zu wenige

Sowohl Brandenburg als auch Sachsen setzen auf schrittweise Verbesserungen bei der Kinderbetreuung.
Sowohl Brandenburg als auch Sachsen setzen auf schrittweise Verbesserungen bei der Kinderbetreuung. FOTO: dpa
Gütersloh/Dresden/Cottbus. Für alle 402 Kreise und kreisfreien Städte hat sich die Bertelsmann-Stiftung diesmal die Kita-Personalschlüssel vorgenommen. Die Unterschiede sind enorm, heißt es im Ländermonitor, den die Forscher aus Gütersloh gestern präsentierten. Christine Keilholz / ckz1

In Sachsen hat sich laut Bertelsmann-Studie die Qualität der Betreuung zwar verbessert, aber nur gering. Kamen zum März 2012 noch 13,7 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in sächsischen Kindergartengruppen, waren es im März 2016 rein rechnerisch 13,4 Kinder. Bei den Krippen änderte sich laut Studie fast nichts - hier gab es eine Entwicklung von 6,6 auf 6,5 Kinder pro Fachkraft. Das liegt in beiden Altersgruppen noch unter dem ostdeutschen Durchschnitt.

In den Krippen ist die Betreuung sachsenweit relativ ähnlich. So liegt der Personalschlüssel im Vogtlandkreis bei 1:6,2, in Leipzig bei 1:6,8. Auch die Kindergärten funktionieren weitgehend gleich. Während in Dresden 12,9 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es im Landkreis Meißen 14.

Besser sieht es in Brandenburg aus, wo sich die Krippen auf einen Schlüssel von 6,1 verbessert haben. Doch damit kommen Brandenburgs Krippen im Bundesvergleich auch nur auf den vorletzten Platz - vor Sachsen. In Kindergartengruppen verbesserte sich der Personalschlüssel derweil von 11,6 auf 11,3 Kinder pro Fachkraft. Bei den Kindergärten hingegen ist es nach Berlin die günstigste Betreuungsrelation unter den ostdeutschen Bundesländern.

Allerdings sind die Qualitätsunterschiede landesweit ziemlich groß. Bei den Krippen belegt Cottbus sogar bundesweit den letzten Platz . Kindergartengruppen im Landkreis Dahme-Spreewald haben pro Fachkraft 10,1 Kinder - in Cottbus aber schon 13,3 Kinder.

Das aber soll sich demnächst ändern. Seit August gilt in Brandenburger Kitas ein neuer Betreuungsschlüssel. Der Landtag hat eine Anpassung bis 2018 in zwei Schritten beschlossen. Demnach soll zunächst eine Erzieherin im Schnitt 11,5 Kinder betreuen, bislang waren es 12. Durch die im Frühjahr beschlossene Verbesserung des Personalschlüssels sollen laut Bildungsminister Günter Baaske (SPD) 500 Erzieher mehr an die Kitas kommen. "Brandenburg investiert so viel wie noch nie in der Geschichte des Landes Brandenburg in die Kita-Betreuung", sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Theiss. Rund 370 Millionen Euro würden in diesem Jahr dafür ausgegeben - 2018 waren es noch 137 Millionen.

Auf schrittweise Verbesserungen setzt auch Sachsen. Die Regierungsfraktionen CDU und SPD haben nach der Landtagswahl 2014 um die Personalausstattung der Kindergärten und Krippen hart gerungen. Heraus kam die Scheibchenlösung: In den Kindergärten ist seit September 2016 eine Fachkraft für zwölf Kinder zuständig. Für die Krippen gilt ab September 2017 statt bislang 1:6 ein Betreuungsverhältnis von 1:5,5 - im nächsten Jahr dann von 1:5.

Bundesweit ist die Anzahl der Kita-Fachkräfte in den vergangenen zehn Jahren um 11 000 Beschäftigte gestiegen - also um über die Hälfte. Grund dafür ist auch der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, der seit 2013 gilt. Dauerhaft kann es mit dem Personal eng werden, warnt die Bertelsmannstudie. Ohne attraktivere Bedingungen werde es schwer, dem steigenden Fachkräftebedarf nachzukommen.

Dass aber die Kindertagesbetreuung im Osten generell schlechter sei als im Westen, will die sächsische Linken-Abgeordnete Marion Junge so nicht stehen lassen. Schließlich seien hier die Erzieher im Schnitt besser qualifiziert. "Während im Westen die Erhöhung der Betreuungsquoten dringend erforderlich ist, muss im Osten der Personalschlüssel deutlich verbessert werden", so Junge.

Sachsen fehlen Kita-Plätze, vor allem in den großen Städten. In Leipzig ist schon von einem "Kita-Notstand" die Rede. Laut Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) braucht die Stadt aktuell 1500 zusätzliche Plätze. Bis 2019 würden noch 3000 Plätze gebraucht.

Entspannter als Leipzig ist Dresden bei seiner Planung. Die Landeshauptstadt rechnet nur noch bis 2020 mit steigenden Kinderzahlen. Grund dafür ist laut Rathaus, dass viele Familien mit Kindern ins Umland umziehen. Um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz in Dresden erfüllen zu können, musste die Stadt jährlich rund 1500 neue Plätze schaffen.