Hirschhausen, der für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin arbeitet, hatte im Dezember 2012 eine Studie vorgelegt, nach der sich die Erzeugung von Braunkohlestrom deutschlandweit im Niedergang befindet. Weder neue Braunkohletagebaue noch neue Kraftwerke seien notwendig, weil mit dem Zuwachs der erneuerbaren Energien immer weniger Kohlestrom benötigt würde.

Der Bundesverband Braunkohle (Debriv) hatte Hirschhausen vorgeworfen, dass grundlegende Annahmen seiner Untersuchung schlicht falsch seien. Auch die halbstaatliche Deutsche Energieagentur (Dena) hatte im August 2012 eine Studie mit völlig anderen Ergebnissen veröffentlicht, wonach auch 2050 noch Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen eine wesentliche Rolle spielen werden. Nun soll Hirschhausen für Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (Linke) ein Gutachten zur klimapolitischen Auswirkung des geplanten Tagebaus Welzow-Süd Teilfeld II erarbeiten. Das bestätigte Ministeriumssprecherin Alrun Kaune-Nüßlein der RUNDSCHAU.

Das Umweltressort in Potsdam reagierte mit dem Auftrag an den DIW-Kohlekritiker auf ein Gutachten, das von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) bei Professor Georg Erdmann von der TU Berlin in Auftrag gegeben wurde. Er sollte untersuchen, ob der neue Tagebau, durch den 800 Menschen die Umsiedlung droht, energiewirtschaftlich notwendig sei. Eine solche Expertise ist für das laufende Braunkohleplanverfahren nötig.

In einem der RUNDSCHAU vorliegenden Entwurf des Gutachtens kommt Erdmann zu der Überzeugung, dass die modernen Braunkohlekraftwerke in der Lausitz mit der Umsetzung des Atom ausstiegs sogar an Bedeutung gewinnen werden. Ohne Welzow-Süd II sei jedoch eine Kohleversorgung über die 2020er-Jahre hinaus nicht gesichert.

Erdmann wurde auch von Sachsens Wirtschaftsministerium beauftragt, eine Studie zur energiepolitischen Notwendigkeit der Nutzung des Vorranggebietes am Tagebau Nochten zu erstellen. Das bestätigte ein Ministeriumssprecher. Auch dort läuft zurzeit das Braunkohleplanverfahren für die neue Grube, mit der 1600 Umsiedlungen verbunden wären. Hirschhausen hatte im September 2012 an der Anhörung zum Braunkohleplan Nochten II auf Greenpeace-Einladung teilgenommen.