ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

Gut gerüstet für einen herausfordernden Alltag

Pflegebedürftig: Im Alter sind viele auf die tägliche Unterstützung durch Angehörige angewiesen.
Pflegebedürftig: Im Alter sind viele auf die tägliche Unterstützung durch Angehörige angewiesen. FOTO: dpa
Cottbus. Selbstbestimmt den Alltag meistern. Nicht nur viele Ältere und Menschen mit Behinderung sind dabei oft auf Hilfsmittel angewiesen, auch pflegende Angehörige benötigen unterstützendes Zubehör. Die RUNDSCHAU erklärt, welche Mittel Pflegebedürftigen zustehen und was bei der Antragsstellung zu beachten ist. Anja M. Lehmann

Die Schwiegermutter ist nicht mehr gut zu Fuß. Hat sie seitens ihrer Krankenkasse Anspruch auf einen Rollator? "Prinzipiell zu unterscheiden sind Hilfsmittel, die zu einer selbstbestimmten Lebensführung beitragen und Pflegehilfsmittel, die die Pflege erleichtern", erklärt Annekatrin Lerche. Im Pflegestützpunkt Cottbus erlebt sie regelmäßig, wie unbeholfen manche Angehörige von Pflegebedürftigen dem komplexen Thema Pflege gegenüberstehen.

"Die häufigsten Fragen, mit denen wir konfrontiert werden, betreffen die Antragsstellung auf Leistungen aus der Pflegeversicherung und die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf", berichtet die Pflegeberaterin.

In der Regel werden Alltagshilfen wie Rollatoren, Badewannenlifte und Toilettenstühle bei Bedarf vom Hausarzt verordnet. "Dieser stellt anhand einer Diagnose fest, welches Hilfsmittel geeignet sein könnte", so Annekatrin Lerche. Die Kosten für die Hilfsmittel werden anteilig von der Kranken- beziehungsweise Pflegekasse übernommen, der Kunde leistet gegebenenfalls eine Zuzahlung. Bei Arbeits- und Wegeunfällen sowie bei anerkannten Berufskrankheiten werden die Kosten für Hilfsmittel gegebenenfalls von der Berufsgenossenschaft getragen.

Doch nicht jede gewünschte Erleichterung wird auch von den Kassen als Hilfsmittel akzeptiert. "Ein höheres Bett, aus dem man einfacher aufstehen kann, ist im Alter sicher eine Hilfe - wird bei den Kassen jedoch nicht als Hilfsmittel gelistet", erklärt Annekatrin Lerche. In solchen Fällen gäbe es sogenannte Seniorenbetten in verschiedenen Möbelhäusern zu erwerben. "Ein höhenverstellbares Pflegebett, das die Pflege von bettlägerigen Menschen erleichtert, zählt hingegen als Pflegehilfsmittel und wird auch als solches von der Pflegekasse unter gegebenen Voraussetzungen finanziert", so die Pflegeberaterin.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme solcher Mittel ist der Nachweis einer Pflegestufe.

Pflegebedürftige haben Anspruch auf zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel, die zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden beitragen oder eine selbstständige Lebensführung ermöglichen.

Die Aufwendungen der Pflegekasse dürfen im Monat 31 Euro nicht übersteigen. "Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel sind zum Beispiel saugende Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch, Fingerlinge, Einmalhandschuhe, Schutzschürzen, Mundschutz und Desinfektionsmittel", zählt Annekatrin Lerche auf. Eine ärztliche Verordnung sei generell nicht notwendig, erklärt die Pflegeberaterin.

Versicherte erhalten die Leistung auf Antrag. Dazu wählt der Versicherte einen Vertragspartner, der den Antrag vor der Versorgung einmalig bei der jeweiligen Kranken- oder Pflegekasse einreicht.

Manchmal wird es im Alter oder nach Schicksalsschlägen notwendig, die äußeren Gegebenheiten den neuen Lebensumständen anzupassen. Werden dann Umbauten in der Wohnung der Pflegebedürftigen notwendig, können Umbaumaßnahmen über die Pflegekasse bezuschusst werden. Ob die Einrichtung altersgerechter Bäder, das Anbringen von Handläufen oder eine rollstuhlgerechte Verbreiterung der Türen: "Auch solche Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes können anteilig durch die Pflegekasse gefördert werden", informiert Annekatrin Lerche. Nicht zuschussfähig sind hingegen Maßnahmen, die nicht im Zusammenhang mit der körperlichen Beeinträchtigung stehen und nicht zur Erleichterung der Pflege oder des selbstständigen Lebens beitragen.

"Anders als weithin verbreitet sind ablehnende Bescheide in den meisten Fällen durchaus fachlich berechtigt", so die Pflegeberaterin. Bevor ein langer Widerspruchsstreit anberaumt wird, rät sie Betroffenen, sich bei unabhängigen Beratungsstellen wie den Pflegestützpunkten Brandenburg beraten zu lassen. "Wir gehen die Anträge gemeinsam durch und helfen gegebenenfalls auch bei der Formulierung von Widersprüchen."

Alle Artikel der Serie noch einmal zum Nachlesen unter:

www.lr-online.de/pflege

Zum Thema:
Individuelle, kostenlose Beratung zu allen Fragen der Pflege, bei Pflegebedürftigkeit und Behinderung erhalten Betroffene und deren Angehörige in den Pflegestützpunkten Brandenburg. Als neutrale Beratungsstellen der Pflege- und Krankenkassen sowie der kommunalen Träger informieren Pflege- und Sozialberater unter anderem in Cottbus, Lübben, Senftenberg, Herzberg und Forst. Ansprechpartner und Adressen unter www.pflegestuetzpunkte-brandenburg.de .

Pflegeberaterin Annekatrin Lerche.
Pflegeberaterin Annekatrin Lerche. FOTO: dpa