Auch Sachsens Polizei muss viele, vor allem kleinere Diebstähle von Metall-Gegenständen aus Abrisshäusern, Lagern und Baustellen aufklären, meist im Wert von wenigen hundert Euro. Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) stieg die Zahl der Fälle von 2002 bis 2005 von rund 450 auf fast 1500 im Jahr. Dabei scheint der Höhepunkt noch nicht erreicht: Laut LKA-Sprecher Tom Jährig wurden schon in der ersten Hälfte 2006 so viele Fälle bekannt wie im gesamten Vorjahr.
Gestohlen werden vor allem Kupfer, Aluminium, Blei und Messing, vermehrt im Leipziger Umland, häufiger auch im Raum Dresden. Tatorte sind Betriebe, Lagerplätze, Bauhöfe und die Recycling-Unternehmen selbst, die oft auch, ohne es zu wissen, heiße Ware ankaufen.
Anfang Oktober etwa verhinderte ein Spaziergänger in Freital einen besonders dreisten Diebstahl. Er meldete der Polizei eine Recycling-Firma, die 200 Schienenstücke des Windberg-Bahnvereins im Wert von 60 000 Euro abholen wollte. Der Auftrag dazu war aber nicht von dem Verein gekommen, sondern von einem 46 Jahre alten Tatverdächtigen, der per Fax und gefälschtem Briefkopf den fingierten Auftrag gab, die Schienen zerschneiden zu lassen und als Schrott zu verkaufen.
Wenige Tage zuvor waren in Heidenau bei Dresden zwei junge Männer einer Verkehrskontrolle aufgefallen, die fast 20 Gullydeckel in ihrem Autoanhänger hatten. Und im Sommer hatten Diebe bei einem Einbruch in Hirschfeld aus der Lagerhalle einer Firma fünf Tonnen Kupferdraht und Bleche mitgehen lassen.
Die Täter kommen den Angaben zufolge vermehrt auch aus den Nachbarländern Polen und Tschechien. Dennoch waren von den zwischen 2002 und 2004 ermittelten 694 Tatverdächtigen 74,5 Prozent deutsche Staatsbürger. 2005 konnten 60 Prozent der Fälle aufgeklärt (889 von 1483) und 1084 Tatverdächtige ermittelt werden.
Ulrich Leuning von der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen weiß von den Problemen. Er warnt die Unternehmen, gestohlene Ware anzunehmen. Allerdings sei in seiner Branche das Problem der Hehlerei nicht mehr so schlimm wie noch vor zehn Jahren. Die Finanzbehörden prüften genau: Wer Metall ankauft, muss nachweisen, an wen er bezahlt hat.