. Die Güteverhandlung zwischen dem gekündigten Hochschulmitarbeiter Ingo Karras und der Hochschule Lausitz (HL) ist am Dienstag gescheitert. Karras hatte den Umgang der Hochschule mit behinderten Studierenden in mehreren Punkten öffentlich kritisiert und war daraufhin fristlos gekündigt worden. Das Arbeitsgericht Cottbus habe bei der Verhandlung in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) von der Hochschule keine weitere Erläuterung der Kündigungsgründe erhalten, teilte das Gericht in einem Schreiben mit.

"Solange die Hochschule die Gründe für die Kündigung nicht konkret benennt, kommt eine gütliche Einigung für meinen Mandanten nicht infrage", sagte Rechtsanwalt Peter Albert auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Mittlerweile hat die HL eine zweite Kündigung nachgereicht. Bei der ersten vom 6. November dieses Jahres hatte der Personalrat weder seine Zustimmung erteilt noch wurde er zuvor angehört. "Bisher wissen wir nur, dass die Hochschule Herrn Karras vorwirft, dass er mehrfach durch Behauptung falscher Tatsachen die Hochschule diskreditiert haben soll", so Albert weiter.

Zur laufenden gerichtlichen Auseinandersetzung wollte sich die HL-Leitung gestern nicht äußern. "Zu dem Herrn Karras betreffenden Verfahren geben wir keine Informationen an die Presse", sagte Sprecher Ralf-Peter Witzmann. Zugleich bestätigte Witzmann gegenüber der RUNDSCHAU, dass der Senat der Hochschule derzeit an einer neuen Version der Studienordnung arbeite, welche damit besser an die Bologna-Reform angepasst würde. Bei der aktualisierten Fassung soll allerdings auch die Stelle herausfallen, dass Studierende mit Behinderung zum Amtsarzt müssen, wenn sie einen Nachteilsausgleich beantragen wollen.

Dieser Punkt war neben dem fehlenden Behindertenbeauftragten und dem angekündigten Studienstopp für Sehbehinderte im Studiengang Physiotherapie einer der Kritikpunkte von Karras. Aus der HL heißt es, dass die Änderung der Studienordnung nichts mit der öffentlichen Kritik von Karras zu tun habe. Kurz nach der öffentlichen Debatte hatte die HL auch die Stelle des Behindertenbeauftragten neu besetzt und die verbal erteilte Einschränkung für den Studiengang Physiotherapie zurückgenommen.

In den Streit hatte sich zwischenzeitlich auch der Landesbehindertenbeauftragte Jürgen Dusel eingeschaltet, nachdem sich die Hochschule zunehmend öffentlich in ein schlechtes Licht gerückt sah. Ermöglicht doch die HL seit Jahren die Möglichkeit des barrierefreien Studiums. Auf Werbeflyern wirbt sie unter anderem damit, Studenten mit Behinderungen "beste Ausbildungsbedingungen" zu liefern.

Einen, den die heftige Reaktion der Hochschulleitung damals überrascht hatte, ist Bernd Uduc. Der ehemals erfolgreiche Leichtathlet und Ex-Mann der ebenfalls sehbehinderten Leistungssportlerin Marieta Turteltaube, solidarisierte sich mit Karras öffentlich. Uduc betreibt in Forst eine Physiotherapiepraxis. Wenige Tage nach Bekanntwerden der Kündigung hatte er ein Spendenkonto eingerichtet. Auf dem seien bislang 235 Euro eingegangen. Uduc kündigte an, das Konto weiterzuführen.

Denn der Fall soll bei einem Kammertermin am 28. März weiterverhandelt werden. Das Ziel von Ingo Karras ist die Aufhebung der Kündigung. "Mein Mandant möchte wieder an der Hochschule arbeiten", so sein Anwalt Peter Albert weiter.

Spenden für den fristlos gekündigten HL-Mitarbeiter Ingo Karras sollen zur Finanzierung der Anwaltsgebühren genutzt werden. Wenn mehr Geld als benötigt eingehen sollte, so die Initiatoren, wird der Betrag einem gemeinnützigen Projekt, welches sich mit Inklusion befasst, zugehen.

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