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Güter sollen wie Personen auf Bahnhöfen zu- und aussteigen können

Cottbus. Wie kommen Güter auch auf kleinen Bahnhöfen von der Straße auf die Schiene? Zurzeit gar nicht. Doch ein Forschungsthema der BTU Cottbus-Senftenberg soll jetzt Lösungen erarbeiten. Die Karl-Vossloh-Stiftung gibt dafür knapp 90 000 Euro. Christian Taubert

In Brandenburg werden Transportgüter größtenteils in den Güterverkehrszentren Wustermark, Freienbrink, Großbeeren und Frankfurt (Oder) von der Straße auf die Schiene verladen. Das ist für kleine und mittlere Firmen oft mit weiten und kostenaufwendigen Anfahrtswegen für eine vergleichsweise geringe Menge verbunden. Deshalb nutzen viele von ihnen oft gleich den politisch nicht gewollten Lkw-Transport. Bahnfahren ist auch für Güter oft zu unattraktiv.

"Gütertransporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern, bleibt bisher ein Lippenbekenntnis der Politik", erklärt Prof. Hans-Christoph Thiel, BTU-Lehrstuhlinhaber Eisenbahnwesen. Das liege auch daran, dass Güter nicht wie Personen an Bahnstationen "zu- oder aussteigen" können. "Wie eine moderne Verknüpfungsstation im öffentlichen Personenverkehr aussieht, ist hinlänglich bekannt", erläutert der wissenschaftliche Mitarbeiter Christian Menzel. "Aber das Gegenstück für den Güterverkehr fehlt."

Daran zu forschen und bis Ende 2017 praxistaugliche Lösungen vorzulegen, dieses Vorhaben der Cottbuser Wissenschaftler unterstützt die Karl-Vossloh-Stiftung jetzt mit knapp 90 000 Euro. Hinter dem sperrigen Forschungsthema "Interaktion von neuen Technologien des kombinierten Güterverkehrs mit der Gestaltung und dem Betrieb von Bahnanlagen" verbergen sich Fragen wie:

Wie kann ein kranloser Güterumschlag während eines Verkehrshaltes an Hauptgleisen realisiert werden?

Können vorhandene Überholgleise in einer Doppelfunktion zu kleinen "RailPorts" erweitert werden?

Wie können Betriebsprozesse durch intelligente Leit- und Sicherungstechnik beschleunigt werden?

Die BTU-Wissenschaftler wollen nachweisen, dass die geforderte Verlagerung des Güterverkehrs zum energieeffizienten Bahnverkehr nur durch eine erhebliche Zahl dezentraler Umschlagterminals entlang der Güterverkehrskorridore erreicht werden kann. Die Gestaltung dieser Terminals soll sich aus der Forschung und Anwendung innovativer, technologischer Ansätze ableiten und wird durch interaktive virtuelle Umgebungen sichtbar gemacht. Dafür haben sich die "Eisenbahner" Prof. Douglas Cunningham, Lehrstuhlinhaber Grafische Systeme, mit an Bord geholt.

Der Förderzuschlag durch die Vossloh-Stiftung liegt auch darin begründet, dass an der BTU eine neuartige Herangehensweise an dieses gesellschaftlich relevante Thema unterbreitet wurde. Vor dem Hintergrund, dass auf Autobahnen immer mehr Güter transportiert werden und in Deutschland lediglich 16 Prozent den Weg auf die Schiene finden, sind attraktive, kostengünstige Lösungen notwendig.

Dabei gehe es um das Zusammenspiel von Fahrzeugtechnik, Umschlag- und Betriebstechnologie, Leit- und Sicherungstechnik sowie baulicher Infrastruktur, sagt Prof. Thiel. "Wir müssen Bahnanlagen andocken, die an den Güterverkehrskorridoren liegen."