"Eine Rose mit vielen Dornen". So bezeichnete Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos den von der Farc-Guerilla angekündigten Beginn einer einseitigen unbefristeten Feuerpause. Santos sprach von einer "Geste in der richtigen Richtung", die Hoffnung auf ein Ende des 50-jährigen Bürgerkriegs mache. Dafür müssten jedoch die Dornen entfernt werden, erklärte Santos. Damit bezog er sich unter anderem auf die Hürden bei den seit zwei Jahren in Havanna auf Kuba laufenden Friedensgesprächen.

Die Regierung hält an der Position fest, nur nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens auch die Kampfhandlungen einzustellen. "Die Waffenruhe der Guerilla könnte (dennoch) den Anfang des Endes des Krieges darstellen", schrieb die Journalistin Marisol Gómez Giraldo, die seit 20 Jahren für die führende Tageszeitung des Landes, "El Tiempo", über den Konflikt berichtet.

Seit November 2012 verhandeln die linksgerichteten "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (Farc) und die Regierung in der kubanischen Hauptstadt, um dem 50-jährigen Konflikt ein Ende zu setzen. Santos fädelte die Gespräche ein, nachdem er als Verteidigungsminister unter Staatspräsident Álvaro Uribe (2002-2010) der Guerilla schwere Schläge versetzt hatte.

Ende der 90er Jahre zählte die Farc um die 20 000 Kämpfer. Heute werden der Guerilla nur noch 8000 bewaffnete Mitglieder zugerechnet. Ähnlich ist die Truppe der Eln, der zweitgrößten kolumbianischen Guerilla, von 4000 auf 2000 geschrumpft. Das politische Kalkül von Santos geht dennoch davon aus, dass ein rein militärischer Sieg über die Rebellen kurzfristig nicht möglich ist.

Trotz schwerer Verluste ist es der Farc gelungen, den Tod ihres langjährigen Chefs Manuel Marulanda (2008) sowie seines Nachfolgers Alfonso Cano (2011) zu verkraften. Das kollektive Führungsgremium der "Comandantes" hinter dem Oberbefehlshaber behauptete sich. Dass sich die Bindung der regionalen Farc-Verbände, die zum Teil in enger Beziehung zum Drogengeschäft stehen, zunehmend lockerte, erschwert der Regierung zusätzlich den Kampf gegen die Rebellen.

Somit steht für die Regierung fest, dass eine Fortsetzung des Konfliktes hohe Kosten verursacht, während ein Friedensschluss ein großes Potenzial an wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung freigeben würde. Auch international kann sie für eine Lösung des Konfliktes mit starkem Rückhalt rechnen. So übernahm Norwegen die Schirmherrschaft über die Verhandlungen auf Kuba. Andere Staaten, wie auch Deutschland, haben dem Friedensprozess finanzielle Unterstützung zugesagt.

Der Zeitpunkt scheint günstig. Das Tauwetter zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba eröffnet auch der Friedensperspektive in Kolumbien neue Horizonte. Nicht von ungefähr rief die Farc ihre Waffenpause wenige Stunden nach der Ankündigung einer Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Havanna und Washington aus.
Aber Santos wandelt auf einem schmalen Grad. "Wenn die Regierung die militärischen Operationen einstellt, würde sie wahrscheinlich die bereits schwache Unterstützung der Bevölkerung (...) für den Friedensprozess verlieren", erklärt die Politologin María Fernanda Arocha vom Institut für Konfliktforschung Cerac.

Auch wenn es Santos gelingen sollte, den Streitkräften Zurückhaltung aufzuerlegen, und die Farc ihr Versprechen wahr macht, ihrerseits auf Angriffe zu verzichten, sind Störungen des Friedensprozesses immer möglich. So hatte die Entführung eines Generals im November zur Folge, dass die Friedensverhandlungen zeitweise auf Eis gelegt wurden. Was aber wäre geschehen, wenn die Geiselnahme im Urwald tragisch ausgegangen wäre?