Zusammen mit ihm auf der Anklagebank sitzt der frühere Inhaber eines Gartencenters, der kommunale Aufträge bekam und dafür mit seiner Firma kostenlos Arbeiten auf Hübners Wochenendgrundstück verrichtet haben soll. Dieser Teil der Vorwürfe war in den ersten Monaten des Verfahrens mit vielen Zeugen bearbeitet worden. Hübner hatte jede Gratisleistung des Gartencenters an ihn bestritten.

Am gestrigen Mittwoch hatte er noch mal Gelegenheit, zu einem zweiten Komplex von Tatvorwürfen Stellung zu nehmen. Dabei ging es vor allem um die Vergabe von Abrissarbeiten an eine inzwischen insolvente Recyclingfirma vor etwa sechs Jahren. Das Unternehmen hatte 87 von 96 Ausschreibungen im Rahmen des Stadtumbaus gewonnen und dabei Aufträge von rund acht Millionen Euro erhalten. In der Anklage geht es um drei dieser Aufträge, wobei in zwei Fällen die Ausschreibungen aufgehoben und die Firma erst beim zweiten Anlauf zum Zuge kam. Sie soll sich gegenüber Hübner mit Präsentkörben und Wein erkenntlich gezeigt haben.

Klaus-Dieter Hübner äußerte sich dazu mit einer umfangreichen Präsentation, die per Beamer auf eine Leinwand im Gerichtssaal projiziert wurde. Ausgedruckt ergab sein Vortrag einen Blätterstapel von etwa zwei Zentimetern Höhe.

Hübner versuchte darzustellen, dass alles korrekt abgelaufen sei. Dass er die Aufhebung einer der umstrittenen Ausschreibungen unterschrieben habe, wies er zurück: "Das kann gar nicht sein, da war ich im Urlaub." Als Gründe für die Wiederholungen der Ausschreibungen gab er auch verschiedene Fehler seiner Mitarbeiter an. Jeden Verdacht der Einflussnahme wies er zurück. "Hübner war bei Vergaben wenig oder gar nicht beteiligt", sagte er über sich selbst.

In zwei Wochen wird der Gubener Bürgermeister am nächsten Verhandlungstag sicherlich viele Fragen zu seinen gestrigen Erklärungen beantworten müssen. Im Januar könnte der Prozess mit einem Urteil zu Ende gehen.