Streife statt Büro: In der brandenburgischen Grenzstadt Guben (Spree-Neiße) patrouillieren Rathausmitarbeiter seit vergangener Woche mit gelben Westen. Sie sollen das Sicherheitsgefühl der Bewohner erhöhen - und Diebe abschrecken.

Die sogenannte Stadtwache wird aber wohl ein Einzelfall bleiben. Andere Grenzstädte in Brandenburg und Sachsen planen eine solche Aktion nicht, wie eine Umfrage in dieser Woche ergab. Forst (Spree-Neiße), Schwedt/Oder (Uckermark), Zittau und Bad Muskau (beide Landkreis Görlitz) sehen die Aufgaben bei der Polizei. Auch in Frankfurt (Oder) und Görlitz sei die Einbeziehung von Verwaltungsmitarbeitern nicht geplant, teilten die Städte mit.

Der Forster Bürgermeister, Jürgen Goldschmidt (FDP), sagte: "Wir glauben nicht, dass Bedienstete der Stadtverwaltung die Sicherheit erhöhen - höchstens das Sicherheitsgefühl." Diebe ließen sich davon nicht abschrecken. Stattdessen forderte er, bei Kriminalisten den Personaleinsatz zu erhöhen.

Seit geraumer Zeit gibt es immer wieder Klagen zu erheblichen Diebstahlszahlen und Einbrüchen in der deutsch-polnischen Grenzregion. Die Polizei erhöhte mancherorts ihre Präsenz mit zusätzlichen Streifenwagen.

Das Landeskriminalamt in Brandenburg veröffentlichte in dieser Woche allerdings Zahlen, wonach die Auto-Diebstähle im Land rückläufig seien.

Görlitz will das Gubener Modell auch deshalb nicht nutzen, weil der Ordnungsdienst in der Stadt sehr präsent sei. Er sei uniformiert an sechs Wochentagen unterwegs und auch über den üblichen Arbeitszeitrahmen hinaus, hieß es. Neben dem Gubener Beispiel gibt es im Land Brandenburg auch 73 Sicherheitspartnerschaften zwischen der Polizei, Kommunen und Bürgern, die sich ehrenamtlich zusammenschließen und zum Beispiel auf Streife gehen.

In Eisenhüttenstadt sorgte unlängst eine Facebook-Gruppe unter dem Namen "Bürgerwehr Eisenhüttenstadt" für Aufsehen. Nach Angaben des Innenministeriums sind dort Einträge gefunden worden, die auf eine rechtsextreme Gesinnung hinweisen.

Es sei dort aber keine tatsächliche Tätigkeit dieser angeblichen Bürgerwehr festgestellt worden. "Keinesfalls kooperieren Mitglieder dieser angeblichen Bürgerwehr dort mit der Polizei - und auch nicht mit der Stadt", sagte Ministeriumssprecher Ingo Decker.